— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Paradise Girls

NL/D 2004. R,B: Fow Pyng Hu. K: Benito Strangio. S: Menno Boerema. M: Mick Witkamp. P: Pandora, Motel Films, NPS TV. D: Eveline Wu, Jo Koo, Kei Katayama, Guido Pollemans u.a.
97 Min. flax film ab 17.11.05

Das Rätsel Asiatin

Von Maike Damm Wenn alles schief geht und das Schicksal ausweglos traurig scheint, wer wünscht sich da nicht ein unbeschwertes Leben in einer paradiesischen Ferienanlage an einem balinesischen Sandstrand? Fern von allen Problemen, Herausforderungen und Unzulänglichkeiten, mit denen man sich im Alltag konfrontiert sieht.

Dieser Wunsch nach Unbeschwertheit unter Palmen ist wohl die einzige psychologische Reaktion der drei Asiatinnen Miki, Pei Pei und Shirley auf ihr Leben, die für den Zuschauer in gewissen Stücken nachvollziehbar ist. Von dieser banalen Gemeinsamkeit abgesehen wird er in fremde Welten und Denkmuster gerissen, die Verwunderung, Entsetzen und auf jeden Fall Nervreizung – wenn nicht sogar deren Vernichtung – hervorrufen. Die Paradise Girls lösen Emotionen aus, allerdings nur solche, die sie noch weiter vom Zuschauer abrücken lassen und ihre Entfernung von europäischen Wert- und Moralvorstellungen darstellen.

Japanerin Miki verfolgt ihren Ex nach Holland, um sich dort gelangweilt und Kaugummi-schmatzend von ihm aushalten zu lassen. Chinesin Pei Pei betreibt dort mit ihrem Vater ein Schnellrestaurant und liebt sich in der Rolle des Rassismusopfers, das sich im Gegenzug all das nimmt, wovon es denkt, daß es ihm zusteht oder auch nicht. Und dann gibt es da noch das Model Shirley aus Hongkong, die ihren todkranken Sohn lieber bei der Oma abgibt, als selber Verantwortung für ihn zu übernehmen.

Beim Kinobesuch quellen Ziellosigkeit, Abhängigkeit und Verantwortungslosigkeit über die Leinwandränder hinaus, und irgendwer scheint durch die Dialoge des Films unentwegt »Geld regiert die asiatische Frauenwelt!« zu brüllen. Und als wären einem so noch nicht genug Nerven geraubt, bringt Fow Pyng Hu das Nervengerüst des Zuschauers spätestens durch die allzeit präsente Unentschlossenheit und Dreistigkeit der Protagonistinnen zum Einstürzen.

Was die drei ganz bestimmt nicht verdient haben, ist ein Happy End ihrer Lebensgeschichten. Und dies gesteht ihnen der Film dann auch nicht zu. Zwar albern sie in der Schlußsequenz unbeschwert am Strand herum, aber darum beneidet sie wohl niemand, der sie in ihrer selbstverschuldeten Einsamkeit und Perspektivlosigkeit kennengelernt hat.

Mit der Flucht aus dem Kinosaal haben sich Wut und Gereiztheit an die Fersen des Zuschauers geklemmt und zudem viele Fragen: Gibt es solche unausstehlichen und nervenden Frauen? Sollen Miki, Pei Pei und Shirley Prototypen der asiatischen Frau sein? Oder versperren kultursoziologische Unterschiede einer Europäerin einfach nur den psychologischen Zugang zu einer Asiatin? Um sich mit solchen Fragen zu beschäftigen, sollte man diesen Film schnell vergessen, sonst neigt man zu voreiligen und womöglich ungerechtfertigten Schlüssen. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap