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Palmetto – Dumme sterben nicht aus

USA 1998. R: Volker Schlöndorff. B: E. Max Frye. K: Thomas Kloss. S: Peter Przygodda. D: Woody Harrelson, Elisabeth Shue, Gina Gershon, Chloe Sevigny, Michael Rapaport, Rolf Hoppe u.a.
114 Min. Tobis ab 2.4.98
Von Marc Plückelmann Ein Krimi von Volker Schlöndorff? Unterhaltungskino von dem Mann mit dem selbstgewählten Anspruch? Immerhin verfilmt er Literatur: »Just Another Sucker« von James Hadley Chase, ein klassischer Hardboiled-Krimi, das Genre, das den Film noir prägte. Abgeklärte, hartgesottene Helden, die einer Zigarette mehr Leidenschaft entgegenbringen, als den meisten Menschen in ihrer korrupten, undurchsichtigen Großstadt. Männer, die ihren Gegnern immer einen entscheidenden Schritt voraus zu sein glauben und letztlich doch stets über die gleiche Art von Frau stolpern. Als wäre das nicht abzusehen gewesen.

Schlöndorff verlegte seine Geschichte aus den 50ern in die 90er Jahre. Seine Hauptfigur, Harry Barber (Woody Harrelson), ist kein abgeklärter, vom Leben enttäuschter Zyniker wie Phillip Marlowe, sondern eher ein großer, an sich gutherziger Junge, der verzweifelt nach mehr Leben schreit, nachdem er zwei Jahre unschuldig gesessen hat. Zu einem vermeintlich leichten, ungefährlichen Verbrechen verführt durch die aggressiv erotische Rhea Malroux glaubt er, Herr der Lage zu sein, und verstrickt sich bald hoffnungslos in die doppelbödige Geschichte.

Tatsächlich gelingt es Palmetto, eine geschickte Atmosphäre von Sein und Schein aufzubauen. Im tropischen Klima einer Kleinstadt in Florida angesiedelt, beginnt man bald schon, mit Harry Barber zu schwitzen, als dieser entdeckt, daß er sich überschätzt hat. Zwar erreicht der Film nicht die düstere Beklemmung seiner klassischen Vorbilder, nicht jenen hoffnungslosen Existentialismus. Aber der Film will auch nicht düster und grau sein, und ganz bewußt hat Schlöndorff seine Absicht, in Schwarzweiß zu drehen, fallengelassen. Palmetto ist – im Gegensatz zu Schlöndorffs üblichem Schaffen – ein Unterhaltungsfilm, er soll Spaß machen. Und das tut er. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #10.
© 2012, Schnitt Online

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