— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Open Water 2

Adrift. D 2006. R: Hans Horn. B: Adam Kreutner, Collin McMahon. K: Bernhard Jasper. S: Christian Lonk. M: Gerd Baumann. P: Orange Pictures, Shotgun Pictures. D: Susan May Pratt, Eric Dane, Niklaus Lange, Wolfgang Raach u.a.
100 Min. Universum ab 10.8.06

Abgesoffen

Von Arezou Koschnam Wenn man als Zuschauer je den Hauptdarstellern eines Films ein schnelles Ende gewünscht hat, dann diesen. Aber bis es endlich soweit ist, quält uns Hans Horn von einem einfallslosen Werbefilm zum nächsten. Open Water 2 ist ein unfreiwilig komischer Psychothriller, dessen geklonte Figuren erst dann Tiefgang bekommen, sobald ihre leblosen Körper auf den Meeresgrund gesunken sind.

Von einer überflüssigen Exposition, die uns durch die wackelige Handkamera à la Blair Witch Project als Homevideo verkauft werden soll, wird auf den Tag geschnitten, an dem sich die Freunde von damals in passender Geschlechterverteilung auf einer Yacht wiederfinden. Es sind die üblichen Verdächtigen: Der vermeintliche Bootsbesitzer und Frauenheld mit aktuellem Betthäschen, die Toughe und der Sensible, sowie die wasserscheue Heldin samt Ehemann und Baby. Erst, als die sechs im Wasser bemerken, dass keiner von ihnen daran gedacht hat, die Bootsleiter herunterzulassen, beginnt das nasse Kammerspiel auf offener See, in dem ein zu erwartender Spannungsbogen abermals zerschlagen wird.

Auf der Suche nach »Shocking Moments« streift das Drehbuch nacheinander mögliche Gefahrenquellen, ohne diese konsequent in Szene zu setzen. Als alle Versuche, an Bord zu gelangen, sich als vergebens erweisen, scheint es an der Zeit, höhere Instanzen zu befragen. Eine abgerissene US-Flagge nutzt Horn dabei als plakatives Mittel, sich der mittlerweile zum guten Ton gehörenden Amerika-Kritik anzuschließen. Wen wundert es da noch, daß der Frauenheld mit den einst so rosigen Zukunftsaussichten nicht reich ist, sondern ein Dasein als professioneller Angeber fristet? Kein wirklich überraschender Abgesang auf den »American Dream«. Zum Schluß will man dann aber doch nicht auf den Hollywoodschen Helden verzichten. Mehr als den kleinen Zeh ins kalte Wasser einzutauchen, traut sich Horn offensichtlich nicht.

Open Water 2 ist ein gutes Beispiel dafür, daß Medienberufe entgegen zeitgenössischer Auffassung nicht so einfach austauschbar sind. Genausowenig wie ein Sänger ein guter Autobiograph ist, dreht ein Werbefilmer gute Spielfilme. Eines hat der Streifen allerdings bewirkt: Die Lust aufs Schwimmen ist mir definitiv vergangen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #43.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap