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One Day in Europe

D/E 2004. R,B: Hannes Stöhr. K: Florian Hoffmeister. S: Anne Fabini. M: Florian Appl. P: moneypenny, Filmanova, workshop, ZDF u.a. D: Megan Gay, Luidmila Tsvetkova, Florian Lukas, Erdal Yildiz, Péter Scherer u.a.
100 Min. Piffl ab 7.4.05

Von Fußballfans und Taschendieben

Von Frank Brenner Europa nimmt auf der Welt in vielerlei Hinsicht eine Sonderstellung ein. Nirgendwo sonst werden auf so begrenztem Raum so viele verschiedene Sprachen gesprochen, nirgendwo sonst sind die kulturellen Unterschiede so groß wie innerhalb der Grenzen Europas. In den 50er und 60er Jahren boomte in den west-europäischen Ländern eine filmische Zusammenarbeit, die sich in den so genannten Europroduktionen manifestierte, die mit Stars aus den beteiligten Ländern gedreht wurden, um überall gute Marktchancen zu besitzen. In der Regel sprach jeder seine Landessprache, und der verantwortliche Regisseur hatte seine liebe Not, das Sprachengewirr in ein homogenes Gesamtwerk zu übertragen. Hannes Stöhr hat sich für seinen dritten Langspielfilm auf das gleiche spiegelglatte Parkett begeben und One Day in Europe in vier europäischen Städten mit Schauspielern aus sieben verschiedenen Ländern in ebenso vielen Sprachen gedreht.

Als kleinsten gemeinsamen Nenner für ein derart komplexes filmisches Experiment hat er das Fußballspiel gewählt. Es ist der Tag des Champions-League-Finalspiels zwischen Galatasaray Istanbul und Deportivo La Coruna, das in Moskau ausgetragen wird. Stöhr erzählt aus diesem Grund vier kurze Geschichten von Touristen in Moskau, in Istanbul, in Santiago de Compostela und in Berlin. Als roter Faden zieht sich jenes Finalspiel durch die Geschehnisse in den unterschiedlichen Metropolen. Die Geschichten haben aber noch eine zweite Gemeinsamkeit. Alle Touristen in den einzelnen Episoden werden überfallen und beraubt bzw. geben vor, überfallen und beraubt worden zu sein. Wir treffen auf eine Engländerin in Rußland, auf einen Deutschen in der Türkei, auf einen Ungarn in Spanien und auf Franzosen in Deutschland.

Daß aus diesen Paarungen enorme Verständigungsschwierigkeiten erwachsen und man allzu häufig nur sehr mühsam mit englischen Grundkenntnissen kommunizieren kann, macht den größten Reiz von Stöhrs Film aus. Dieser nicht synchronisierbare Sprachenwirrwarr macht dem Betrachter noch einmal nachdrücklich bewußt, wie divergent die einzelnen Kulturen innerhalb Europas sind. Die kleinen Geschichten sind allesamt nett und durchaus liebenswürdig erdacht und vor allen Dingen überzeugend von der multi-nationalen Schauspielertruppe dargestellt. Daß der Film als einer von drei deutschen Wettbewerbsbeiträgen im diesjährigen Berlinaleprogramm allerdings keine Chance hatte, versteht sich angesichts der Präsenz von herausragenden kritischen und tiefschürfenden Konkurrenzfilmen irgendwie trotzdem von selbst. 1970-01-01 01:00
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