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On the Edge

IRL 2000. R,B,M: John Carney. B: Daniel James. K: Eric Edwards. S: Dermot Diskin. P: Hell's Kitchen. D: Cillian Murphy, Tricia Vessey, Jonathan Jackson, Stephen Rea, Paul Hickey u.a.
86 Min. UIP ab 6.6.02
Von Carsten Tritt Unter dem mäßig originellen Titel On the Edge hat John Carey ein mäßig originelles Jugenddrama geschaffen, welches in Gesamtschau allerdings durchaus überzeugen kann. Bei den meisten Filmen des Genres stellt sich sowieso einzig die Frage, warum überhaupt jemand Geld in einen solchen Film investiert: Durchweg uninteressante Charaktere in einer Liebesgeschichte ums Erwachsenwerden, die man schon hundertmal besser erzählt hat, und deren jugendliches Zielpublikum sowieso (und zurecht) lieber Komödien schaut.

Auch Storys wie die von On the Edge habe ich schon und besser inszeniert gesehen, aber selten. Zudem wahrt On the Edge eine ausreichende Dichte und vor allem Konsequenz, um trotz mangelnden Einfallsreichtums über anderthalb Stunden spannend zu bleiben. Carney schafft dies, indem er seine Erzählung von Erwachsenwerden, Verantwortung und Gefühlswelten simplifiziert. Er verfrachtet seine Protagonisten in einem Mikrokosmos und macht sie jeweils zu Vertretern bestimmter Grundtypen. Jedoch ohne soweit zu gehen, völlig ins Klischeehafte abzugleiten, sondern er ironisiert zeitweilen sogar, etwa in der bewußt überzogenen Zuordnung eines schwedischen Fahrzeuges zu dem passenden Charakter eines Psychologen/Sozialarbeiters.

Somit ist On the Edge in seinen Tugenden eine modernere Variante des Breakfast Club. Allerdings sind die Heranwachsenden hier etwas älter (die Hauptfigur ist laut Presseheft 19jährig) und der Einsatz dementsprechend höher: Bei den Jugendlichen handelt es sich um in ein Sanatorium eingewiesene Selbstmordkandidaten, die ihrem Betreuer versprochen haben, bis zum Jahresende keinen Selbstmord mehr zu begehen, und sich bis dahin die Zeit vertreiben. Was dann nach Neujahr passiert, ist konsequent aus der dargestellten Entwicklung gefolgert, auch wenn es für zwei der glücklicheren Protagonisten bedeuten wird, mitten im Januar ein Eis essen zu müssen. Aber aufgrund der Carneyschen Simplifizierung wird dies nicht zu sehr hinterfragt, und das ist auch richtig so, denn das Eis ist schließlich eher für den Bauch als für den Kopf gedacht. 1970-01-01 01:00
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