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Das Omen

The Omen. USA 2006. R: John Moore. B: Dan McDermott. K: Jonathan Sela. S: Dan Zimmerman. M: Marco Beltrami, Jerry Goldsmith. P: 20th Century Fox. D: Liev Schreiber, Julia Stiles, Mia Farrow, David Thewlis, Michael Gambon u.a.
110 Min. Fox ab 6.6.06

Omen versus Amen

Von Ekaterina Vassilieva-Ostrovskaja Genre-Filme werden in der Regel schneller alt. Im Horror-Bereich ist es besonders spürbar. Auch die so genannten Klassiker des Genres werden vom nagenden Zahn der Zeit nicht verschont. Die Cineasten können zwar immer noch von der innovativen Kameraarbeit oder dem psychologisch überzeugenden Spiel der Darsteller schwärmen, die Schockwirkung will sich jedoch in den meisten Fällen nicht mehr einstellen. Was vor 30 Jahren noch komplett überraschend war und für Gänsehaut sorgte, ist heute durch die Inflation der entsprechenden (Kino)Bilder zur Gewohnheit geworden. Deshalb ist es durchaus eine lohnende Aufgabe, die alten Schocker aus der Blütezeit des Hollywood-Horrors in den 70ern für das moderne Publikum neu aufzulegen.

Im Falle von Das Omen schien nun die Zeit dafür besonders reif zu sein: nicht nur weil sich das magische Datum 06.06.06 (das an die Teufelszahl 666 erinnert) als Starttermin für einen Okkult-Horrorfilm geradezu anbietet, sondern auch, weil die Welt der großen Politik, ähnlich wie zu Zeiten des Watergate-Skandals oder des Vietnamkrieges, wieder mal für apokalyptische Stimmung sorgt. Andererseits hat die Angst vor dem Übersinnlichen im allgemeinen deutlich abgenommen. Während vor einigen Jahrzehnten die Wiederbesinnung auf die Religion noch als eine ernsthafte Alternative zu »satanischen Umtrieben« in der Welt in Erwägung gezogen werden konnte, sind die spirituellen Rituale für den »post-postmodernen« Menschen endgültig zu einer Maskerade geworden, von der kein Heil mehr zu erwarten ist. Für die okkulten Sujets verbirgt sich darin ein Problem, aber auch eine Chance für neue Akzentverschiebungen. Denn wenn »Gottes Wort« nicht mehr buchstäblich zu nehmen ist, eröffnen sich um so größere metaphorische Deutungsmöglichkeiten.

Während im Original aus dem Jahr 1976 die Offenbarung von Johannes die metaphysische Folie für die ganze Geschichte liefert, lenkt das Remake die Aufmerksamkeit auf das Problem der medialen Vermittlung. Die biblischen Prophezeiungen werden schon in der Eröffnungssequenz mit den Nachrichtenbildern unterlegt, die selbst den hochgestellten Kirchenmännern im Vatikan als Beleg für die Erfüllung der apokalyptischen Botschaft dienen.

Die Presse fungiert auch weiterhin als wichtigstes Mittel der Wirklichkeitserfassung: Nur durch die Gegenüberstellung einzelner Zeitungshighlights werden den Figuren die fatalen Zusammenhänge klar. Erst im globalen Spiegel der Massenmedien kommt der satanische Plan deutlich hervor. Trägt die sorgfältige Berichterstattung nur zur Aufklärung der schockierenden Vorkommnisse bei, oder ist sie selbst vielleicht ein Teil der teuflischen Strategie? Eine Antwort darauf bekommen wir nicht, doch die grundsätzliche Unsicherheit über die Grenze zwischen dem Wirkungsbereich von Gut und Böse bestimmt leitmotivisch den ganzen Film.

Daß der Antichrist in Das Omen ausgerechnet in Gestalt eines niedlichen Fünfjährigen auftaucht, ist an sich schon ein Signal für die Krise des einfachen bipolaren Weltmodells. Eine Mischung aus Liebe, Angst und Entfremdung, die die Beziehung der Zieheltern zu Damien bestimmt, veranschaulicht die allgemeine Zerrissenheit des modernen Individuums angesichts der ins Wanken geratenen und von der Wirklichkeit betrogenen Moralvorstellungen. Ganz kompliziert wird es, als das entlarvte Böse schließlich auf rituelle und äußerst grausame Weise beseitigt werden muß. Indem das Remake die moralischen Skrupel des Vaters, der seinen Ziehsohn mit sieben Dolchstichen ermorden soll, deutlicher in den Vordergrund rückt, zeigt er die eigentliche Absurdität des Vorhabens, das Böse mit seinen eigenen Mitteln zu bekämpfen, aber auch die Unmöglichkeit, dem Teufelskreis der Gewalt zu entkommen.

Obwohl Das Omen inhaltlich ziemlich genau dem Original folgt, bereichert er jedoch die ursprüngliche Version durch zeitgemäße Details und aufwendige Optik, die dem heutigen Zuschauer sowohl atemberaubend schöne als auch gruselige Momente bietet, die für ein erfüllendes Kinoerlebnis sorgen. Liev Schreiber, der den erfolgreichen Diplomaten spielt, in dessen Familie sich das Böse in Gestalt des kleinen Damien einschleicht, reicht darstellerisch zwar nicht an seinen Vorgänger Gregory Peck heran, dafür aber können Mia Farrow als zwielichtiges Kindermädchen und David Thewlis als Klatschreporter ihren Figuren eine neue Dimension verleihen, was den Film insgesamt plastischer und vielschichtiger macht. 1970-01-01 01:00
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