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Oktoberfest – Der Film

D 2005. R,B: Johannes Brunner. K: Thomas Riedelsheimer. S: Horst Reiter. M: Raimund Ritz, Rainer Kühn. P: Hager Mos Film, BR, arte. D: Barbara Rudnik, August Schmölzer, Gunnar Möller, Anna Brüggemann u.a.
120 Min. Movienet ab 1.9.05

O’zapft is!

Von Frank Brenner Warum bislang noch niemand auf die Idee gekommen ist, einen Film wie diesen zu drehen, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Schließlich gibt es kaum etwas, was im Ausland so sehr mit Deutschland in Verbindung gebracht wird, wie das Oktoberfest in München. Darüber hinaus bietet sich ein Großereignis wie dieses, bei dem zwischen Blasmusik, Bierkrügen und Weißwürsten so viele unterschiedliche Menschen der verschiedensten Nationalitäten und gesellschaftlichen Schichten aufeinander treffen, geradezu als Hintergrund für einen vielschichtigen Ensemblefilm an. Was in den USA seit einigen Jahrzehnten schon feste Tradition hat, wird bis heute von deutschen Filmemachern eher stiefmütterlich behandelt.

Wieder einmal ist September und auf der Wiesn in München treffen sich zwischen Bierzelten und Fahrgeschäften die unterschiedlichsten Leute. Richard hat beim Treffen mit seiner blutjungen Geliebten die Aufsichtspflicht an seinem zehnjährigen Sohn vernachlässigt, der nun spurlos verschwunden ist. Im Hofbräuzelt bändeln nach reichlichem Biergenuß ein Italiener und eine Japanerin auf Hochzeitsreise miteinander an, es werden Herzen gebrochen und ausgediente Beziehungen kritisch hinterfragt. Maria, die Besitzerin einer klassischen Geisterbahn, gerät zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten; und bei der Polizei gehen immer wieder anonyme Anrufe ein, die vor schrecklichen Anschlägen warnen und von den Gesetzeshütern nicht auf die leichte Schulter genommen werden können.

Johannes Brunner hat dieses Kaleidoskop der Geschichten mit großer inszenatorischer Raffinesse auseinander genommen und wieder zu einem harmonischen, abwechslungsreichen Ganzen zusammengefügt. Da die Charaktere in ihren jeweils recht kurzen Momenten auf der Leinwand dennoch recht tief ausgelotet werden, bietet der Film einer ganzen Reihe talentierter deutscher Mimen Gelegenheit für überzeugende Auftritte. Neben etablierten Stars wie Barbara Rudnik, Peter Lohmeyer oder dem altgedienten Gunnar Möller wissen so vor allen Dingen auch Schauspieler der zweiten Garde wie Hildegard Kuhlenberg, Anna Brüggemann und Christoph Luser auf sich aufmerksam zu machen. Daß sowohl die Geschichten als auch die Atmosphäre auf Europas größtem Saufgelage äußerst authentisch wirken, ist ein weiterer, nicht zu verachtender Vorteil von Brunners überlegtem und hintersinnigem Drehbuch. Ein unterhaltsamer deutscher Ensemblefilm, der in Zukunft hoffentlich Nachahmer finden wird. 1970-01-01 01:00
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