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Ocean's Thirteen

USA 2007. R: Steven Soderbergh. B: Brian Koppelman, David Levien. K: Peter Andrews. S: Stephen Mirrione. M: David Holmes. P: Section Eight, Warner u.a. D: George Clooney, Brad Pitt, Matt Damon, Al Pacino, Ellen Barkin u.a.
122 Min. Warner ab 7.6.07

Die Supernase

Von Sascha Ormanns Wenn man zu Anfang des Films maskierte Menschen bei einem Coup sieht, diese Situation dann durch ein Handyklingeln unterbrochen wird, und sich der Angerufene (natürlich Brad Pitt alias Rusty) umgehend und ohne Beute auf den Weg macht, weiß man, es geht um etwas wirklich Wichtiges. In Ocean's Thirteen geht es um Loyalität, Freundschaft, Gerechtigkeit und ebenso um Rache, das alles ist jedoch bei weitem nicht nur plotbedingt: Wenn Hollywoodgrößen wie George Clooney, Brad Pitt oder Matt Damon eine für Hollywoodverhältnisse geringe Gage kassieren, muß sie etwas anderes antreiben – sei es der Spaß an diesem Projekt, Freundschaft oder aber die Gerechtigkeit, dem Zuschauer zu zeigen, daß man auch ohne Wahnsinnsbezahlung einen, für das Big-Caper-Genre, perfekten Film realisieren kann (die Rache lassen wir mal außen vor). Im Film geht es um einen der ihren – um Reuben Tishkoff, der von dem skrupellosen Casino-Besitzer Willy Bank über den Tisch gezogen wurde, dadurch einen Herzinfarkt erlitt und seinen Lebenswillen verlor. Da die »Ocean's«-Bande loyal ist, müssen sie es Bank heimzahlen – diesmal geht es nicht darum, sich selbst zu bereichern, es geht um eine Umverteilung des Geldes durch Manipulation des gesamten Casinos.

Hat Soderbergh aus dem zweiten Teil einen durch und durch europäischen Film gemacht, ist er nun mit der zweiten Fortsetzung wieder beim ersten Film angelangt, nämlich in Las Vegas, mit seiner irgendwie verruchten, aber nichtsdestotrotz schillernden Anziehungskraft. Etwas vom europäischen Flair aus Ocean's Twelve bleibt dem Film jedoch erhalten, mimt doch Vincent Cassel wieder den Nachtfuchs, der nicht wirklich dazugelernt zu haben scheint. Obendrein fallen die Figuren von Julia Roberts und Catherine Zeta-Jones weg, werden aber durch zwei »Bösewichte« ersetzt, eben durch Willy Bank, großartig gespielt von Al Pacino, und durch seine rechte Hand Abigail Sponder, verkörpert von Ellen Barkin, die in Ocean's Twelve noch dem Schnitt zum Opfer fiel.

Steven Soderbergh übernimmt im dritten Teil wieder unter dem Pseudonym Peter Andrews die Kamera, und auch wenn er von sich selbst sagt, kein besonders guter Kameramann zu sein, macht er doch einen brillanten Job. Es sind bekannte Techniken aus Ocean's Eleven zu entdecken, Steadicam trifft auf Handkamera, außerdem benutzt Soderbergh bei vielen seiner Bilder einen Gelbfilter, wodurch die Szenerie visuell noch edler wirkt. Dann verwendet er wieder Split Screens und treibt es sogar so weit, zwischenzeitlich derart viele verschiedene Bilder gleichzeitig laufen zu lassen, daß dem Zuschauer beinahe schwindelig wird. Hinzu kommen einmalige Bilder, in denen die Kamera die Wasseroberfläche eines Casino-Springbrunnens filmt, in der sich die Personen spiegeln, die in der nächsten Szene im Mittelpunkt stehen. Außerdem verdreht Soderbergh einfach die Realität, wenn er das Kriechen durch einen Luftschacht zunächst falsch herum filmt – man hat das Gefühl, die Protagonisten hangeln an der Decke (und natürlich glaubt man das auch, weil sie natürlich einen guten Grund dafür haben werden) – und das Bild dann langsam in seine richtige Perspektive dreht.

Natürlich macht aber nicht nur die Kamera Ocean's Thirteen zu einem großen Spaß, auch die teils absurden Aktionen, die Kostüme der »Ocean's«-Bande – Steven Soderbergh läßt seine Darsteller zwischenzeitlich in auffällig komische Verkleidungen schlüpfen – und die Momente der Selbstironie tragen dazu bei. Wenn Matt Damon alias Linus Caldwell sich den falschen Namen Lenny Pepperidge zulegt, sich eine Cyrano-Nase anklebt, so die »rechte Hand« Banks, Abigail, verführt (zugegeben, nicht ohne Hilfe von Pheromonen), versucht Champagner zu trinken – wobei ihn dieser Zinken sichtlich stört – dann sieht das schon wahnsinnig lustig aus. Und wenn man über sich selbst solche Witze machen kann, ja sogar lachen kann, dann hat man die wahre (Un-)Coolness erreicht. Überhaupt ist Ocean's Thirteen voll von solcher (Un-)Coolness: Wenn in einer Szene Rusty und Danny beim Anblick der Oprah-Talkshow zu Tränen gerührt dastehen und Rusty dann auch noch schluchzt, ist das schon ganz großer Sport.

Von Anfang an war für Steven Soderbergh klar, daß er niemanden wollte, der irgendwie schwierig ist, das hat er auf einer Pressekonferenz der diesjährigen Filmfestspiele in Cannes nochmals betont: »Wir planten von Anfang an, niemanden mitmachen zu lassen, der als schwierig gilt. Keine Idioten. Das löst alle Probleme.« Vordergründig geht es bei den »Ocean's«-Filmen um den Spaß am Projekt, man merkt den Darstellern das auch an, ihr Spaß projiziert sich auf den Zuschauer, der am Ende perfekt unterhalten und hoffentlich ein bißchen cooler das Kino verläßt. 1970-01-01 01:00
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