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Obaba

E/D 2005. R,B: Montxo Armendáriz. K: Javier Aguirresarobe. S: Rori Sáinz de Rozas. M: Xavier Capellas. P: Oria Films, Neue Impuls Film, Pandora Film . D: Bárbara Lennie, Pilar López de Ayala, Juan Diego Botto, Peter Lohmeyer u.a.
107 Min. Neue Impuls Film ab 21.6.07

Die Philosophie der Eidechse

Von Tamara Danicic »Obaba, Obabakoak«. Diese Wörter suggerieren Exotik. Indessen befinden sich Obaba (auch wenn es nur ein fiktiver Ort ist) und seine Bewohner, die Obabakoak, mitten in Europa, in den baskischen Bergen. Was den Ort dann doch automatisch ein Stück weit exotisch macht. In seiner Geschichtensammlung »Obabakoak« nun konstruiert der baskische Autor Bernardo Atxaga ein faszinierendes mythisches Universum. Das abgelegene Dorf Obaba wird zum Kristallisationspunkt von Weltvergessenheit, Verschrobenheit, Fantasie. Geradezu leichtfüßig gehen Wirklichkeit und Imagination eine Liaison ein. Nach jahrelangem Zögern nahm der spanische Regisseur Montxo Armendáriz schließlich die Herausforderung an, einige der 26 voneinander weitgehend unabhängigen Geschichten in einer in sich geschlossenen Filmerzählung zusammenzuführen.

Dazu bedient Armendáriz sich eines Kunstgriffs: Er erfindet eine junge Fremde, die im Rahmen eines Filmprojekts ins Dorf kommt und Geschichten zu sammeln beginnt. Und so entdeckt man, mit den Augen einer Außenstehenden, einen Ort voller seltsamer Menschen und seltsamer Geschichten (außerdem bekommt man auch noch eine reichlich überflüssige Liebesgeschichte zwischen der Filmstudentin und dem Dorfluftikus gratis dazu). Am Ende verfällt die junge Frau dem mythischen Zauber Obabas so sehr, daß sie Teil der Dorfgemeinschaft wird. Als Idee nicht unclever, auch wenn man sich manchmal durchaus fragt, warum diese so unzugänglichen Dorfbewohner einer Fremden sofort und ohne jede Scheu ihr Leben auf dem erzählerischen Serviertablett liefern.

Das eigentliche Problem des Films ist jedoch, daß er – trotz anerkennenswerter schauspielerischer Leistungen – der Fabulierkunst des Buches nacheifert, letztlich aber in der Behauptung steckenbleibt. Indem Atxaga die wundersame Welt Obabas auf Eidechsen, die (angeblich) das menschliche Gehirn zersetzen, und harmlose Zählmanien reduziert, begnügt er sich mit seichtem Budenzauber. Und findet dafür auch nur insgesamt recht hausbackene Bilder. Wirken diese eh schon eine ganze Spur zu glatt und zu pittoresk, so werden sie über die Filmmusik auch noch weiter poliert. Bis am Ende ein auf Festivals durchaus erfolgreiches Werk herauskommt, von dessen Oberfläche sich der Lack des (behaupteten) poetischen Realismus allzu leicht abkratzen läßt. Und drunter? Drunter kommt relativ biederer Arthouse-Kitsch zum Vorschein. Magische Momente werden eben nicht durchs Wollen allein magisch. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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