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Nußknacker und Mausekönig

D/USA 2004. R: Michael Johnson, Tatjana Ilyina. B: Andy Hurst, Ross Helford, Tatjana Ilyina, Victor Perelman, Andrej Knishev. S: Martin A. Kuhnert. M: Peter Wolf. P: Media Cooperation One, I.F.A., Infine, Telemagination, Argus International, Sandstorm Films.
82 Min. Zorro Film ab 2.12.04

Die Kraft der Phantasie

Von Frank Brenner E.T.A. Hoffmanns Märchen sollte gut genug sein, auch im Jahr 2004 noch einen klassischen Zeichentrickfilm zu tragen, der um die Weihnachtszeit die Phantasie seiner Zuschauer bereichern und diese kurzweilig unterhalten kann. Sollte man meinen. Doch was Sven Ebeling hier mit seiner Firma Media Cooperation One, die bislang vornehmlich als Vertriebsfirma für Videos und DVDs in Erscheinung getreten war, und seinen russischen und kroatischen Zeichnern zusammengebraut hat, ist dann doch reichlich dürftig ausgefallen. Mit Hilfe zweier amerikanischer Drehbuchautoren, die den ersten Entwurf auf seine internationale Vermarktbarkeit abklopften und dementsprechend modifizierten, ist hier ein Film entstanden, dem es genau an dem mangelt, was Hoffmann in seinem Märchen als höchste Werte in den Vordergrund stellte: Herz und Phantasie.

Klara entdeckt im Spielwarenladen des Zauberers Drosselmeier den Nußknacker, der früher ein Prinz war und aufgrund seines herzlosen Verhaltens in jenes leblose Stück Holz verwandelt wurde. Wenn es Klara rechtzeitig am Weihnachtstag gelingt, eine magische Walnuß im Spielzeugland zu finden, kann der Prinz zurückverwandelt werden. Unglücklicherweise sind auch der habsüchtige Mäusekönig und seine beiden trampeligen Diener hinter der Zaubernuß her, und die listigen Nager werden von den Mächten der Finsternis in ihrem Plan unterstützt.

Nußknacker und Mausekönig ist eine wilde Achterbahnfahrt, die kaum eine Minute zur Ruhe kommt. Ständig sind die wild durch die Luft wirbelnden Mäuse in Aktion, ständig fliegt die imaginäre Kamera durch ein chaotisches Treiben, bei dem kaum einmal etwas stillzustehen und innezuhalten scheint. Für einen Weihnachtsfilm ist Johnsons und Ilyinas Märchenadaption reichlich hektisch und turbulent geraten. Umso schwerer wiegt die Tatsache, daß trotz des grenzenlosen Tohuwabohus ständig Langeweile und Leerlauf aufkommt, weil es trotz Tempos ganz offensichtlich an guten Einfällen, Herz und Humor mangelt. Die Phantasie kann im Film Brücken bauen und Wege freimachen, wie man es sich nicht zu erträumen gewagt hätte. Und erst, wenn er Herz zeigt, wird dem Prinzen die Möglichkeit gegeben, in seine menschliche Gestalt zurückzukehren. Hätten die Drehbuchautoren ihr Exposé auf diese beiden Elemente durchleuchtet, wäre der Film sicherlich unterhaltsamer ausgefallen. Man hätte dann auch nicht ständig den Eindruck gehabt, daß die Filmemacher hier auf einen internationalen Markt schielen, und ihrer Vorlage damit genau das rauben, was ihre Einmaligkeit und Stärke ausgemacht hat. Ein teures, aber seelenloses Kommerzprodukt, bei dem zu allem Überfluß die Rolle der Klara von Star Search 2-Gewinnerin Florence Joy synchronisiert wird. 1970-01-01 01:00
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