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Nurse Betty

USA 2000. R: Neil LaBute. B: John C. Richards. James Flamberg. K: Jean-Yves Escoffier. S: Joel Plotch. M: Rolfe Kent. P: IMF, Abstrakt, Propaganda. D: Morgan Freeman, Renée Zellweger, Greg Kinnear u.a.
108 Min. Kinowelt ab 26.10.00
Von Manuela Brunner Die Kleinstadt – Brutstätte für menschliche Absonderlichkeiten aller Art. Twin Peaks, Cherry Falls, Aschleben oder hier Fair Oaks: Ihrer Langeweile läßt sich nur mit gepflegten Marotten oder Flucht beikommen, und sei es nur die Flucht ins Nachmittagsprogramm der Fernsehwiederholungen.

Betty Sizemore, Kellnerin, unglücklich verheiratet, typisches Opfer des Fair Oaks-Spirit, hat jeden Tag ihren Termin bei Dr. David Ravell, dem Helden der fiktiven Arztserie »A Reason to Love«. Als ihr Ehemann vor ihren Augen von zwei Profikillern ermordet wird, läßt der Schock in ihrem Kopf ein eigentümliches Gemisch aus Wirklichkeit und Serienwelt entstehen. Sie macht sich auf nach Los Angeles, zu ihrem Doktor. Mit seinem glatten Fernsehgesicht und seiner Talkshow-Vergangenheit funktioniert Kinnear perfekt in der Rolle, und Renée Zellwegers blonde Niedlichkeit steht für Betty.

Der Spaß liegt darin, daß das Drehbuch sich Zeit läßt, genüßlich eine Karte nach der anderen aufdeckt, und keine Scheu hat, auf fünf unglaubliche Zufälle noch einen sechsten draufzusetzen. Fragen nach Kleinigkeiten entstehen, um dann geklärt zu werden, wenn sie schon fast vergessen sind. Diese Dramaturgie des Hinauszögerns, ebenso wie das Motiv der Amnesie sind ureigenste Soap-Elemente, die hier im effektvollen Kontrast stehen zu plötzlichen Ausbrüchen von Gewalt, bei deren Darstellung Neil LaBute nicht vor blutspritzender Zeitlupe und überdeutlichen Großaufnahmen zurückschreckt. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #20.
© 2012, Schnitt Online

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