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Nur noch 60 Sekunden

Gone In 60 Seconds. USA 2000. R: Dominic Sena. B: Scott Rosenberg. K: Paul Cameron. S: Tom Muldoon, Chris Lebenzon. M: Trevor Rabin. P: Jerry Bruckheimer, Touchstone. D: Nicolas Cage, Angelina Jolie, Giovanni Ribisi, Robert Duvall, Delroy Lindo, Will Patton, Christopher Eccleston u.a.
114 Min. Buena Vista ab 17.8.00

Machos auf Rädern

Von Carsten Happe Nur noch 60 Sekunden: sollte der Action-Kracher des Sommers werden. 59. Dazu hat der Film eigentlich alles, was er braucht. 58. Coole Typen. 57. Heiße Bräute – naja, zumindest eine. 56. Schnelle Autos – jede Menge. 55. Nur leider kommt der Film überhaupt nicht in die Gänge. 54. Es dauert geschlagene 90 Minuten bis zur heiß ersehnten Verfolgungsjagd. 53. Die möchte gerne Maßstäbe setzen. 52. Ist auch grandios gefilmt, aber leider viel zu kurz. 51. Im '74er Original von Toby Halicki dauerte sie noch 40 Minuten. 50. Und nahm fast den halben Film in Beschlag. 49. Im 2000er Remake sind's – wenn's hoch kommt – gute zehn Minuten. 48. Und deswegen sind wir doch im Grunde hier. 47. Denn seien wir ehrlich: eine Jerry Bruckheimer Produktion schaut man sich nicht gerade wegen der Dialoge an. 46. Also, die Action läßt auf sich warten. 45. Und was ist mit den coolen Typen? 44. Nun ja, Nicolas Cage als reaktivierter Autoknackerkönig ist schon eine Klasse für sich. 43. In den Nebenrollen tummeln sich gestandene character actors wie Delroy Lindo oder Robert Duvall. 42. Auch die nächste Generation wurde mit rising stars wie Giovanni Ribisi und James Duval integriert. 41. Aber Christopher Eccleston als Cages großen Gegenspieler auflaufen zu lassen, ist eine krasse Fehlbesetzung. 40. Gäbe es den Ausdruck »overacting« noch nicht, müßte er für Eccleston erfunden werden. 39. In seinem ersten Hollywoodfilm chargiert der Brite bis zum Umfallen. 38. Zum Glück fällt er dann letztendlich auch um und ist tot. 37. Bei der Auswahl der heißen Braut hat man jedoch einen guten Griff getätigt: Angelina Jolie. 36. Hollywoods derzeit angesagteste Schauspielerin sorgt für ein wenig girl power in diesem ausgesprochenen Machofilm. 35. Allerdings ist ihre Rolle ausgesprochen klein und undankbar. 34. Man könnte vermuten, sie sei nur fürs Plakatmotiv engagiert worden. 33. Und für ein paar oneliner im Trailer. 32. Die uneingeschränkten Stars des Films sind aber natürlich die Luxuskarossen. 31. 50 davon muß Cage binnen 72 Stunden stehlen, um seinen kleinen Bruder lebend wiederzusehen. 30. Hier wird nun alles aufgeboten, was man für Geld bekommen kann. 29. Die europäische Champions League mit Ferrari, Lamborghini, BMW und Mercedes. 28. Und das amerikanische Dreamteam von Chevrolet bis Chrysler. 27. Das Goldstück der Sammlung ist jedoch ein 67er Shelby Mustang GT 500. 26. Ihm wird auch die Ehre zuteil, die finale Verfolgungsjagd zu bestreiten. 25. Diese aber kommt, wie zu Beginn schon beklagt, viel zu spät. 24. Vorher wird viel Zeit mit den Vorbereitungen vertrödelt. 23. Minutenlange Teambesprechungen der Autoknacker wechseln ab mit… minutenlangen Teambesprechungen der Polizei. 22. Ein klarer Fall von unausgereiftem Drehbuch, Mr. Rosenberg. 21. Nur noch 60 Sekunden fehlt also doch noch etwas zum großen Action-Kracher. 20. Das Gespür für Dramaturgie. 19. Ausgefeilte Spannungsbögen. 18. Das richtige Timing. 17. By the way: Warum heißt der Film überhaupt Nur noch 60 Sekunden? 16. Zum Schluß sind es doch 12 Minuten Diskrepanz zum Ultimatum. 15. Vielleicht weil der Film nach dem Kinobesuch nur noch 60 Sekunden im Gedächtnis haften bleibt. 14. Da hilft auch keine noch so ansprechende Optik. 13. Oder ein wahnsinnig groovender Soundtrack. 12. Würde »Auto, Motor, Sport-TV« auf MTV laufen, sähe das nämlich genauso aus. 11. In jedem Fall ein Film für große Jungs. 10. In dem die Autos liebevoll Frauennamen bekommen. 9. Und die echten Frauen nur ganz am Rande auftauchen. 8. Auch Angelina Jolie mischt ja nur mit, weil sie so tough und sexy ist. 7. Man darf also schon das schlimmste befürchten, wenn demnächst Bruckheimers Coyote Ugly in die Kinos kommt. 6. Mit fünf Frauen in den Hauptrollen, aber keiner im Publikum? 5. Ach ja, diese Kritik zerstört sich in fünf Sekunden selbst. 4. Denn der Action-Kracher des Sommers ist selbstredend M:I-2. 3. Dessen Handlung ist zwar auch nicht der Rede wert. 3. John Woo weiß aber, wie man sein Publikum bei Laune hält. 2. Und verfügt über den weitaus besseren villain. 1. Die bessere Action ohnehin. 0. ….boom 1970-01-01 01:00
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