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Nur mit Dir

A Walk to Remember. USA 2001. R: Adam Shankman. B: Karen Janszen. K: Julio Macat. S: Emma E. Hickox. M: Mervyn Warren. P: DiNovi Pictures, Gaylord Films, Pandora Cinema, Warner Bros. D: Mandy Moore, Shane West, Peter Coyote, Daryl Hannah, Al Thomson u.a.
105 Min. Solo Film ab 31.10.02

Verbesserte Romanvorlage

Von Annika Höppner Landon ist ein Poser-Typ und Star der Superclique, der vor allem eins am besten kann: cool sein. Vom Highschool-Direktor zu Strafarbeiten verdonnert, wird er in die Arme Jamies, des immer lächelnden Mauerblümchens im Schlabberoutfit geführt. Das ungleiche Paar kommt zusammen, Mr. Cool wird geläutert und ist fortan ein durch und durch guter Mensch. Und wenn sie nicht gestorben sind…

Vieles spräche dafür, daß Nur mit Dir ein fürchterlich kitschiger, vorhersehbarer Standardfilm ist: Jamie wird vom Teenie-Popstar Mandy Moore gespielt, Shane West alias Landon sieht einfach zu gut für sein Alter aus, und Nicholas Sparks' Romane versinken schon seit langem im süßlichen Morast affektierter Gefühlsduselei. War sein erster Roman noch eine nette, bewegende Liebesgeschichte, so ist Nur mit Dir nicht einmal mehr ansprechend, geschweige denn mit Identifikationspotential versehen: Mitten im 50er-Jahre-Staub finden niedliche Kinder verfrüht ihre große Liebe, die sie fortan und in alle Zukunft bessere Menschen sein läßt. »Ach wie süß«, denkt man noch im besten Fall, wenn man das Buch am Ende erleichtert zuklappt. Vorausgesetzt, man hält bis dahin durch. Die Vorstellung der händchenhaltenden Sprößlinge ruft alles andere als Romantik hervor, am ehesten noch die Sorge konservativer Eltern frühreifer Pubertierender.

Adam Shankman hat jedoch alles Störende und Unglaubwürdige durch eine äußerst gelungene Besetzung wettgemacht. Der rauhe, kantige Charme des Draufgängers Londons verliert sich auch nicht als kultivierter, geläuterter Gentleman. Es ist vielmehr, als habe man zwei Nuancen eines Charakters vor sich, wobei die eine plötzlich mehr zum Vorschein kommt. West spielt diesen Nuancenwechsel überzeugender als ihn Sparks je hätte beschreiben können. Auch Moore gewinnt ihrer Rolle mehr ab als in der Romanfigur Jamie angelegt war. Sie spielt die unbekümmerte, selbstsichere Teenagerin, die sich nicht um die Meinung anderer kümmert und die völlig in sich selbst ruht, absolut natürlich.

Die filmische Charakterzeichnung geht weit über das hinaus, was Sparks in seinem Roman geboten hat. Viel klarer wird im Film die innere Ruhe und ihr tiefer Glaube, das Vertrauen in sich und das Gute in anderen vermittelt. Daß gerade Jamie eine so reife Persönlichkeit hat, ist eine der Fragen, die der Film aufwirft.

Der Regisseur hat die Geschichte nicht nur in eine andere Altersklasse verfrachtet, sondern auch in eine andere Zeit. So schuf er der psychologisch fein gezeichneten Geschichte adäquatere, glaubwürdigere Bilder, die Sparks unserer Phantasie nicht vermitteln konnte.

Nach Message in a Bottle sind Bedenken ob einer neuen Nicholas-Sparks-Verfilmung berechtigt, zumal der Regel nach Romanvorlagen meistens besser abschneiden als ihre Verfilmungen. Aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. 1970-01-01 01:00
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