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Null Uhr 12

D 2001. R,D: Bernd Michael Lade. B: Stefan Kolditz. K: Michael Paul Heiter. S: Sabine Brose. M: Michael Kobs. D: Meret Becker, Mario Irrek, Dieter Landuris, Isabella Parkinson, Reiner Schöne u.a.
92 Min. Concorde ab 6.12.01

Gekünzelte Stereotypen

Von Carsten Tritt Wie viele Filmproduktionen war auch die Entstehung von Null Uhr 12 von einigem Mühsal begleitet, und so kam es, daß Bernd M. Lade zwischenzeitlich sehr enttäuscht war, als es so schien, als ob das Projekt mangels einer geneigten Produktionsfirma scheitern sollte: »Ich war so wütend, daß ich das Drehbuch am Flughafen Tegel, wo mich die Nachricht erreichte, in den nächsten Mülleimer warf. Was ich nicht mitbekam, war, daß jemand diesen Vorfall beobachtete und das Drehbuch wieder herausholte. Einen Tag später rief mich Peter Lohner – ein Produzent – an und sagte, ich hätte ihm eine große Freude gemacht. Ich wußte überhaupt nicht, wovon er sprach, bis er den Vorfall aufklärte.«

Also kurz gesagt: Lohner hat das Buch in der Tonne gefunden und den Film produziert. Eine sehr schöne Geschichte sicherlich, die man aber besser nicht den Filmkritikern erzählt hätte. Schließlich drängt es sich gerade auf, zu bemerken, auf welch tragische Art und Weise Stefan Kolditz' Drehbuch hier seinem verdienten Schicksal entrissen wurde.

Das Drehbuch ist der Hauptschwachpunkt des Films. Fünf Stereotype, deren Leben sich in einer Extremsituation für immer ändert. Für jeden der fünf an sich sogar zumindest einigermaßen glaubwürdig herübergebracht, in fünffacher Form allerdings wirkt das zu gekünstelt. Fairerweise muß ich aber sagen, daß sich Lade und Kolditz dieser Künstlichkeit sehr wohl bewußt sind. Lade weist in der von ihm gespielten Rolle eines an der Grausamkeit der Welt gescheiterten Kriegsreporters darauf hin, daß inzwischen die Kamera nicht mehr aufnimmt, was geschieht, sondern etwas geschieht, damit es fotografiert wird, was weniger als Medienkritik denn als Filmkonzept gemeint ist. Insofern wird die Handlungslogik im Verlaufe des Films in zunehmender Weise vernachlässigt und wird zum Filmende ganz zum Zwecke des Effekts aufgegeben. Was dem Film letztlich weder schadet noch ihn rettet.

Gerettet wird der Film allenfalls dadurch, daß der Zuschauer das überambitionierte Drehbuch verdrängt und sich dafür auf die ambitionierte und originelle Regieleistung von Lade konzentriert. Der etwa läßt es sich nicht nehmen, auch einmal völlig sinnlos eine Szene aus dem Inneren eines geöffneten Kühlschranks zu Filmen, nur weil die Salatgurke rechts unten in der Ecke so schön aussieht.

Insgesamt wirkt Null Uhr 12 so, als hätte Sean Penn sich an einem Remake des Breakfast Club versucht. Ich empfehle lieber das Original von John Hughes – und die hoffentlich bald anstehende nächste Regiearbeit von Lade, denn zumindest er dürfte sich durch seine hier gezeigte Leistung für weitere Arbeiten qualifiziert haben. 1970-01-01 01:00
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