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Nora

GB 1999. R,B: Pat Murphy. K: Jean-François Robin. S: Pia Di Ciaula. M: Stanislas Syrewicz. P: Natural Nylon. D: Ewan McGregor, Susan Lynch, Peter McDonald u.a.
106 Min. Advanced ab 31.8.00
Von Manuela Brunner Die Frau, die eines grauen Morgens an einem noch graueren Bahnsteig auf den Zug wartet, ist nicht Henrik Ibsens Nora.

In kurzen Schnitten, Gedankenfetzen, erfahren wir während der Zugfahrt Galway-Dublin die Vorgeschichte dieser Flucht; Dublin ist nur die erste Etappe, dort lernt sie ihren Begleiter für den Rest des Lebens kennen. James Joyce. Nora Barnacle wird unsere Reiseführerin, auf einer Wanderung durch die Gehirnwindungen des Verfassers von »Ulysses«, vorbei an einem Angsthasen, der sich vor Kühen zu Tode fürchtet und einem in Selbstmitleid zerfließenden Mann, eitel und unsicher zugleich, der den Sex zum Zentrum ihrer Beziehung macht. Wer kriegt schon bei der ersten Verabredung gleich einen runtergeholt?

Während diese Vorstellung die Männer ins Kino locken könnte, ist Nora doch eher ein Film für Frauen. Denn erstens stehen Frauen mehr auf britische Kostümfilme, und zweitens wird im Happy End, in rotgoldene Abendsonne getaucht, der Glaube an die wahre, treue Liebe beschworen.

Nicht nur dieses Schlußbild, auch viele andere sind betont statisch, wie zum An-die-Wand-hängen gedacht. Ihre Biedermeierlichkeit enthüllt auch die Beziehungsklischees zwischen Künstler und Frau, die hier abgespielt werden: Pseudomoderne Partnerschaft heißt Freiheit und Ehrlichkeit – die Eifersucht gärt im Verborgenen, bei Künstlern sowieso. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #19.

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