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Nomaden der Lüfte

Le peuple migrateur. F/D/CH 2001. R,B: Jacques Perrin. R: Jacques Cluzaud, Michel Debats. B: Stéphane Durand. K: Michel Benjamin, Sylvie Carcédo, Laurent Charbonnier u.a. S: Marie-Josèphe Yoyotte, Colette Beltran-Pauline Cazalis, Catherine Mauchain. M: Bruno Coulais u.a. P: Galatée u.a.
99 Min. Kinowelt ab 4.4.02
Von Carsten Tritt Die Erfolge von Kulturfilmen – und insbesondere Naturfilmen – in den 50er und frühen 60er Jahren sind heute schwerlich nachvollziehbar. Da strömten doch tatsächlich Massen in Galapagos – Landung in Eden, Kanada – Im Land der schwarzen Bären oder Serengeti darf nicht sterben.

In der Zeit, als unscharfe Schwarzweiß-Fernseher noch Luxus waren, war es zurecht ein Faszinosum, Elefanten in natürlicher Umgebung, Lebensgröße und vor allem Farbe zu erleben. Inzwischen hat die Serengeti den Kulturfilm überlebt. In einer Welt, in der alles entdeckt ist, hat das Kino längst seine Monopolstellung auf die nun allgemein verfügbaren Bilder verloren. Der Aufwand, eine Tierdokumentation noch auf die Leinwand zu bringen, stellt eine anachronistische Kuriosität dar.

Jacques Perrin fiel als solcher Anachronist in größerem Kreise erstmals 1996 als Produzent von Microcosmos auf und belebte mit ungewöhnlichen Naturaufnahmen die alte Tradition. Mit einem weitgehend neuen Team legt er nun Nomaden der Lüfte, sein Meisterwerk, vor. Unter Einsatz von allem möglichem Fluggerät hat er einzigartige Aufnahmen von Zugvögeln geschaffen, läßt die Kamera über weite Teile des Films mit den Schwärmen fliegen. Es gelingt ihm, jede seiner Aufnahmen zu zelebrieren. Mit behutsamer Dramaturgie verhindert er eine Monotonie der Bilder, stets aber ohne auffällige oder gekünstelte Handlungselemente; ein sparsam eingesetzter Erzähler gibt dem Zuschauer dabei die Orientierung, ohne wirkliche Informationen zu vermitteln – die angesichts des dargebotenen Schauspiels auch nur unnötig abgelenkt hätten.

So gelingt es Nomaden der Lüfte mit seinen Breitwandpanoramen auf Spielfilmlänge in einer Weise höchste Unterhaltung zu bieten, wie sie kaum noch möglich schien. Als Biologielehrer mag Perrin dabei versagt haben, jedoch dem Filmemacher ist hier ein grandioser Triumph wider die Beliebigkeit der Bilder gelungen. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #26.
© 2012, Schnitt Online

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