Familienkomikchaos
Von Franziska Nössig
Für Nanna Maria gehört ein Schwein zum Familienfest. Am Spieß. »Dummerweise« ist das Tier, das während der Festvorbereitungen in Nannas Garten eintrifft, noch lebendig. Da sich keiner ihrer Enkel zum Schlachter berufen fühlt, nimmt schließlich die über 80jährige Nanna selbst entschlossen die Machete in die Hand und jagt schimpfend hinter dem quiekenden Tier her. Toa Frasers No. 2 hat mehrere solcher komisch-grotesker Szenen, die im Wechsel mit traurigen und fröhlichen Momenten und vor dem Hintergrund der Festvorbereitungen Nannas Familie porträtieren. Im Zentrum von No. 2, als Dame des Hauses, agiert Ruby Dee als störrische und harsche, zugleich aber auch zerbrechliche und sehnsüchtige Nanna Maria. Mit autobiographischen Untertönen hat Fraser Nannas Familie mit Vorfahren aus Fidschi in Mt. Roskill angesiedelt, einem Vorort Aucklands in Neuseeland.
Oft haftet solchen Filmen, die das Zusammenleben mehrerer Generationen darstellen, ein Hauch von Moralstück an, und sie ermahnen regelrecht zum gedanken- und respektvollen Umgang mit der Familie. Frasers Bilder betonen ebenfalls die Wichtigkeit und Schönheit von Familie und Tradition, doch anstelle des Zeigefingers tritt hier eine lebendige Auseinandersetzung im Umgang mit den Verwandten. Fraser zeigt dazu sowohl die ausgelassene Feierstimmung als auch die weniger harmonischen Momente und verzichtet somit ebenso auf Lächerlichkeiten wie auch auf pathetische Überhöhung der Familie. Er läßt stattdessen die einzelnen Szenen für sich sprechen. Das Bühnenstück No. 2, das Fraser für eine Person in acht Rollen geschrieben hatte, arbeitete er als Drehbuch für ein Filmensemble um. Besonders durch die Lebendigkeit dieser chaotischen, unterschiedlichen Charaktere entsteht ein humorvoller, vielschichtiger Film, der zugleich beschwingt und bodenständig daherkommt.
1970-01-01 01:00