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Nicht von dieser Welt

Fuori dal mondo. I 1999. R,B: Giuseppe Piccioni. B: Gualtiero Rosella, Lucia Maria Zei. K: Luca Bigazzi. S: Esmeralda Calabria. M: Ludovico Einaudi. P: Lumiére & Co. D: Margherita Buy, Silvio Orlando, Carolina Freschi, Maria Cristina Minerva, Sonia Gessner u.a.
100 Min. Schwarz-Weiß ab 27.12.01
Von Amin El-Arousi Ein Bahnsteig wird überschüttet von einer unübersichtlichen Menge aussteigender Menschen. Dann, nach einer sanften Überblendung, ist es Margherita Buy als Catarina, eine Ordensschwester auf Probezeit, die den Blick des Zuschauers unausweichlich auf sich zieht. In dem auffallend gut agierenden Ensemble hinterläßt sie einen besonderen Eindruck.

Kurz vor Catarinas entscheidendem Gelübde begegnet ihr eine letzte Prüfung in Gestalt eines in einen Pullover eingewickelten Findelkindes. Der Stimme der Weltlichkeit folgend, welcher sie doch zu entsagen im Begriffe ist, übergibt sie das Kind einem Krankenhaus und begibt sich auf die Suche nach der leiblichen Mutter.

Guiseppe Piccionis punktgenaue, auf Reduktion der Mittel konzentrierte Inszenierung fügt sehr behutsam ein komplexes Mosaik von Möglichkeiten und Formen der Liebe vor großstädtischem Hintergrund zusammen. Verteilt sind diese auf einen Kreis unabhängig voneinander eingeführter Charaktere, in deren Zentrum Catarina steht und ihre Entscheidung für die von Kompromissen befreite Liebe zu Gott.

Seine Geschlossenheit gewinnt Piccionis epischer Entwurf dadurch, daß sich Inhalte oft über Andeutungen vermitteln und gegebenenfalls erst im Zusammenspiel verschiedener Szenen erschließen. So entgeht Piccioni einer Festlegung oder gar einer Verurteilung seiner Figuren. Die Musik von Ludovico Einaudi in ihrem unbändigen Bemühen nach Erlangung einer höheren Ebene hingegen schießt über das Ziel der Inszenierung hinaus. Der Tonfall des Films ist stiller als sein Soundtrack. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #24.
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