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Die neun Leben des Tomas Katz

The Nine Lives of Tomas Katz. GB/D 1999. R,B: Ben Hopkins. B: Thomas Browne. K: Julian Court. S: Alan Levy. M: Dominik Scherrer. P: Strawberry Vale, Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion. D: Thomas Fisher, Ian McNeice, Tim Barlow u.a.
84 Min. Piffl Medien ab 26.10.00
Von Thomas Waitz Auf den ersten Blick scheint, was rein existent ist, gewöhnlich, unbedeutend, banal. Dann gibt es eine Drift, die immer stärker wird. Jäh scheinen alle Gewißheiten fraglich, alle Gleichförmigkeit zerstört. Die Stadt beginnt in unerklärlicher Fremdheit zu schimmern. Das Ende ist nah – das ist so etwas wie der Claim in Ben Hopkins einzigartigem, ruhelosem Film.

Am Tag der Sonnenfinsternis kommt ein Fremder nach London. Es ist Tomas Katz, der sich alsbald der Hüllen, so scheint es, zufällig ausgewählter Personen bedient. Doch selbst in seiner Körperlichkeit ist er nicht faßbar. Groteske Dinge geschehen, die Polizei steht vor einem Rätsel. Und nicht nur die Polizei: Sehr viel Eifer wendet Hopkins auf, seinen Film keiner vorschnellen Interpretation auszuliefern.

Die neun Leben des Tomas Katz erscheint zuweilen lediglich wie die zusammengetragene Ausbeute überbordender, visueller Phantasie. Und ungeachtet dessen ist er manches Mal mehr: Dekor und Fotographie zitieren expressionistische Vorbilder, die Bilder sind in kratzigem, kontraststarkem Schwarzweiß gehalten, an die Stelle eines eigenständigen Stils tritt die Vielzahl heterogener Stylings und der gewollte Bruch erwartbarer Sehweisen. Digitale Techniken bestimmen Schnitt, visuelle Nachbearbeitung und den elektronischen, gefangennehmenden Soundtrack.

Hopkins schaut, und das ist seine großartige Leistung, immer wieder neben die Dinge, und damit direkt in sie hinein: Ein gleichsam irritierender wie berauschender Reigen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #20.
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