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NeuFundLand

D 2002. R,B: Georg Maas. K: Sophie Maintigneux. S: Monika Schindler. M: Uli Maas. P: Zinnober Filmproduktion. D: Jochen Nickel, Anna Loos, Axel Prahl, Bruno Cathomas u.a.
95 Min. Zephir ab 15.1.04

Spagat im Nirgendwo

Von Sascha Seiler Das ist doch mal lustig: verloren in der Plattenbausiedlung. Nach der ersten Nacht will der Mann seine Eroberung mit Frühstücksbrötchen überraschen und findet in der endlosen ostdeutschen Hochhaustristesse erst die Wohnung nicht, bevor er merkt, daß ja auch alle Häuser gleich aussehen. Aber er plakatiert kurz darauf die ganze Siedlung mit seinem Foto und seiner Handynummer voll.

NeuFundLand ist, wie der Titel schon andeutet, natürlich ein Film über den Osten als Wilder Westen Deutschlands; vor allem ist es aber ein Film über Verlust und neu gefundene Liebe, der zwischen Slapstick und Trauer balanciert und Jochen Nickel mal in einer Hauptrolle zeigt, in der man sich normalerweise Hugh Grant vorstellt. Daß Anna Loos keine ostdeutsche Julia Roberts ist, trägt allerdings dann doch zur Glaubwürdigkeit der männlichen Hauptfigur bei, wie überhaupt der Film mit originellen Einfällen die manchmal etwas zu präsente TV-Movie-Ästhetik und -Dramaturgie gekonnt überspielt.

So besteht die berufliche Tätigkeit des Hauptdarstellers darin, im Osten Deutschlands Münzfernrohre aufzustellen. Ein Beruf, den es nach Auskunft des Regisseurs gar nicht gibt; wäre aber doch mal eine tolle Maßnahme. Axel Prahl taucht zudem in der Rolle von Nickels rollstuhlfahrenden Kumpel auf, der erst seine Rolle als humoristischer Sidekick erfüllt, um dann am Ende die richtigen Ratschläge parat zu haben. Dabei wirkt er doch etwas unterfordert und die Figur verschenkt.

NeuFundLand schwankt zwischen modernem Liebesmärchen, Gesellschaftsporträt und Komödie mit Gespür für Situationskomik, schafft den Spagat manchmal locker, manchmal etwas gezwungen. Die deutlichen Anleihen an Amélie, vor allem was die zentrale Bedeutung von Paßbildautomaten angeht, sei aber rein zufällig, so Georg Maas, das Drehbuch sei sogar vor Jeunets Film entstanden. Ein Zufall, so magisch wie jene im Film selbst. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #33.
© 2012, Schnitt Online

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