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Ein neuer Tag im Paradies

Another Day in Paradise. USA 1998. R: Larry Clark. B: Christopher Landon, Stephen Chin. K: Eric Edwards. M: Robin Urdang, Howard Paar. D: James Woods, Melanie Griffith, Vincent Kartheiser, Natascha Gregson Wagner u.a.
100 Min. Advanced ab 13.5.99
Von Nikolaj Nikitin Bonnie & Clyde wurde zum Sinnbild des romantischen Gangsterpärchens. In Larry Clarks zweiter Regiearbeit nach seinem Kultfilmchen Kids gibt's das Gangsterpaar gleich im Doppelpack – allerdings mit einem Alters- und Moral-Unterschied.

Das erfahrene Duo Mel und Sid, immer unterwegs zwischen irgendwelchen Drogendeals, trifft auf ihr jugendliches Pendant Bobbie und Rosie. Die eher unerfahrenen, dafür aber auch unerschrockenen Jugendlichen sind von dem Lebensstil der beiden beeindruckt. Gemeinsam zieht das Quartett los, um das wirklich große Ding durchzuziehen. Dabei entwickelt sich eine trügerische Familienharmonie, die – das bringt nunmal das Geschäft mit sich, nicht von Dauer sein kann, und so wird der vermeintliche Apfel relativ schnell verzehrt.

Grandiose Schauspielerleistungen, wobei besonders James Woods, der, obwohl zu den besten seiner Generation zählend, immer unterschätzt wurde, das Äußerste gibt. In einer unnachahmlichen Fluchszene (»fuck, fuck, fuck…«) merkt allerdings der Zuschauer, daß sein Charakter weit von der professionellen Eiseskälte eines Hopper in Blue Velvet entfernt ist – denn eigentlich ist Mel bloß ein großer Träumer – eine Eigenschaft, die ebenfalls nicht gerade hilfreich ist in dem Job. Ihm zur Seite steht Melanie Griffith nicht nur ihre Frau, sondern brilliert erneut als gefestigte Charaktermimin. Auch das jugendliche Pärchen weiß die Faszination der Gewalt in ihr Spiel differenziert einzubinden.

Ein eher kleiner, dreckiger Film, der so gar nicht in die 90er paßt und deshalb umso mehr also Verbeugung der großen Vorbilder der Vergangenheit fesselt. 1970-01-01 01:00
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