— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Das Netz

D 2003. R,B,P: Lutz Dammbeck. K: Thomas Plenert, Istvan Imreh. S: Margot Neubert-Maric. M: Jörg Udo Lensing.
115 Min. b.film ab 13.1.05

Enge Maschen

Von Christian Lailach Stell dir vor, du bist in einem Netz gefangen. Wie ein Fisch. Du fängst an, dich hastig zu bewegen, willst dich befreien. Die Maschen jedoch ziehen sich immer enger zusammen, scheinen mehr und mehr zu werden – je engmaschiger das Netz wird, desto gefangener fühlst du dich. Stellt sich die Frage: Werden die Maschen enger, weil sie mehr werden oder ist es ein rein subjektiver Eindruck aufgrund deiner Bewegung? Oder existiert das Netz gar nicht? Im Nachhinein scheint alles klar: Was haben LSD, Internet, Multimedia und Philosophie gemeinsam? Nichts scheint real, alles Täuschung? Auch richtig. Aber Konstruktivisten und ARPANET-Erfinder verbindet mehr; und Ted Kaczynski, der angebliche Unabomber, ist gefangen in den Wirren einer Zeit gesellschaftlicher, technischer als auch geistiger Revolutionen.

Soweit die Behauptungen. Dammbeck führt den Beweis und eröffnet mit einem vielschichtigen Blick auf die 60er Jahre. Zeit und revolutionäre Basis sind die elementaren Zusammenhänge der im Grunde so verschiedenen Personen und Systeme. Alle sie koppelt Dammbeck mit einem völlig entkoppelten Schnitt der Bilder und Töne; verwirrt somit das eben Entworrene. Die Knoten, die er dabei knüpft, scheinen jeglichen Belastungen standzuhalten. Dies liegt maßgeblich an der überaus strengen Logik, mit der er vorgeht: Sämtliche Beziehungen zeigt Dammbeck nicht direkt auf, sondern läßt sie den im Netz Gefangenen knüpfen, sodaß dieser letztlich alle Verwirrungen zu entwirren vermag. Dies gelingt, gerade weil sich Dammbeck zurückzieht und im letzten Moment die Aussage des Ganzen in Frage stellt.

Es bleibt ein Rat. Wenn du in einem Netz gefangen bist, bewege dich nicht hastig; es sind nicht die Maschen, sondern ausschließlich die Knoten Realität. Nur was ist das, Realität? 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #37.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap