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Nessie – Das Geheimnis von Loch Ness

Loch Ness. USA / GB 1995. R: John Henderson. B: John Fusco. K: Clive Tickner. S: Jon Gregory. M: Trevor Jones. D: Ted Danson u.a.
95 Min. CI ab 26.9.96
Von Daniel Hermsdorf Es gibt Geschichten, die immer wieder neu erzählt werden, solche, die schon oft genug erzählt wurden, und es gibt Erzähler, denen eine überraschende Variation zum antiquierten Motiv gelingt. John Henderson erweist sich in Loch Ness nicht als dieser Sparte zugehörig. Die größte Überraschung seines Films erscheint bereits im Vorspann: »Muppets«-Erfinder »Jim Henson's Creature Shop«, womit die Frage, ob Nessie auftaucht oder nicht, bereits beantwortet ist.

Ansonsten bemäntelt die Geschichte kaum ihre Herkunft aus dem Drehbuchworkshop: Der Flachcharakter Dr. John Dempsey (Ted Danson) wird von seinem Vorgesetzten nach Schottland geschickt, um seines Vorgängers Suche nach Nessie fortzusetzen. Dempsey glaubt jedoch keineswegs an das Wasserwunder, und so mangelt es ihm auch am rechten Enthusiasmus bei der Sondierung des feuchten Terrains.

Planmäßig werden wir Zeuge von Dempseys Bekanntschaft mit Laura McFeteridge (Joely Richardson), einer Hotelbesitzerin und Kneipenwirtin, die nach dramaturgisch effizienter vorläufiger Abspenstigkeit seine Geliebte wird. Vermittlerin dieser Liaison ist Lauras »aufgewecktes« Töchterchen Isabel (Kirsty Graham), die überdies einen siebten Sinn vererbt bekommen haben soll.

So reiht sich nach altbackenen Schemata eine abschätzbare Wendung hinter die andere, gespickt mit Klischeefiguren wie dem knurrigen und letztlich gutherzigen Hüter des Lochs (Ian Holm) und überzuckert mit mäßig komischen, meist süßlichen Musterdialogen. Möglichkeiten zur Verdichtung der Komödienhandlung etwa durch ausführlichere Karikaturen der anderen Nessie-Jäger, die sich einfinden, ignoriert Henderson dabei konsequent.

Visuell bleibt Loch Ness brav bei Postkartenmotiven, schummrigen Unterwassertakes und eingestreuten routinierten Schockmomenten. Die größte Mühe in der Kameraführung gilt der Camouflage von Ted Dansons Hinterkopfglatze.

Wer sich also von der amerikanischen Plastikpoesie eines aufgekochten Wunderglaubens angezogen fühlt, wer »pfiffige« Kinder in »Familienfilmen« leiden kann und Mysterien am liebsten plakatiert sehen mag, sollte sich in völliger Unbedarftheit kopfüber ins Loch Ness stürzen. Der Regisseur verdient dafür nicht einmal das Seepferdchen. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #04.
© 2012, Schnitt Online

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