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Neid

Envy. USA 2004. R: Barry Levinson. B: Steve Adams. K: Tim Maurice-Jones. S: Stu Linder, Blair Daily. M: Mark Mothersbaugh. P: Baltimore, Spring Creek Pictures. D: Ben Stiller, Jack Black, Rachel Weisz, Amy Poehler, Christopher Walken u.a.
99 Min. Columbia ab 23.9.04

Zankerei

Von Anne Heringhaus Gott sei Dank ersparte uns Barry Levinson einen neuen Film, in dem unerfüllte Frauen oder Girlies beim Anblick des 350. Paar Schuhe oder aber des neuesten Lippenstiftes auf eindrucksvolle Weise nerviges Rumgezicke an den Tag legen. Statt dessen wird es schlimmer: Wir dürfen einmal sehen, wie Jungs, pardon, Männer neidisch werden können:

Jack Black alias Nick Vanderpark versteckt unter seiner Brandt-Kind-Frisur eine ganze Pracht absurder Ideen und unterbreitet diese mehr als gerne seinem Freund Tim Dingman, der sich, um es freundlich auszudrücken, mit der Familienpackung à la zwei Kinder, einer Ehefrau, Reihenhäuschen im Vorort, Auto, und einem »richtig-wichtigen« Bürostuhl begnügt. Und weil Tim nun mal nicht an den Erfolg über Nacht glaubt, schlägt er nicht in das Geschäft der ersten funktionierenden Idee Nicks ein. Die Idee ist das »Vapoorizer-Spray«, das jedes Hunde-Exkrement restlos verschwinden läßt und Nick binnen kürzester Zeit vom kleinen Mann zum Multi-Millionär macht. Wen wundert es, daß Tim über seinen eigenen Stolz verärgert ist, den Amercian Dream nicht beim Schopf gepackt zu haben. Hyperbolisch sind sämtliche Ersatzbefriedigungen auf Nicks Grundstück dargestellt, so daß nur die »Neverland Ranch« eine annähernde Beschreibung dessen ist. Tims neiderfüllte Taten, diese kaputt zu machen, sind dieselben tolpatschigen Dominoeffekte wie in There's Something About Mary und Meet the Parents, so daß die Rolle von Stiller als grobmotorischer Depp, dem man nichts übel nehmen darf, wieder einmal nur den Titel gewechselt zu haben scheint.

Man fragt sich als Zuschauer, was der Regisseur von Filmen wie Rain Man und Wag the Dog uns sagen will. Die Kehrtwende in einen Film à la »Neid ist eine der sieben Todsünden« schafft Envy als Satire erwartungsgemäß nicht. Man geht aus dem Kino heraus und sagt Dankeschön, für einen Film, den man am besten schaut, wenn man dem Auge ein paar Farben zuviel und dem Hirn eine Sinnlosigkeit mehr verpassen möchte. 1970-01-01 01:00
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