— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Nach eigenen Regeln

Mulholland Falls. USA 1996. R: Lee Tamahori. B: Peter Dexter, Floyd Mutrux. K: Haskell Wexler. S: Sally Menke. M: Dave Grusin. D: Nick Nolte, Melanie Griffith, Chazz Palminteri, John Malkovich u.a.
106 Min. Intertainment ab 17.10.96
Von Oliver Baumgarten Nach seinem überaus erfolgreichen 1994er Debüt Once were Warriors stellte Lee Tamahori sein neuestes Werk auf dem Münchner Filmfest vor: Nach eigenen Regeln. Tamahoris Polizeifilm, in den 50ern angesiedelt, beginnt recht vielversprechend mit einem enorm wuchtigen Nick Nolte als Maxwell Hoover, dem gefürchteten, weil despotischen Chef einer Polizeieinheit, der jedoch mit dem Tod der ehemaligen Geliebten seine Sonderstellung mehr und mehr verliert. Denn zum einen zieht dieser Fall immer weitere und höhere Kreise, zum anderen bekommt seine Frau (Melanie Griffith) Wind von der Geliebten, da diese ihre Liebschaften heimlich im Bett zu filmen pflegte. Und so muß der Polizeiklotz nicht nur diesen staatstragenden Fall lösen, sondern auch noch seine Ehe kitten, was ihm fast und dem Film gänzlich das Genick bricht.

Der Erzählstrang um Hoovers Spezialeinheit nämlich ist durchaus spannend inszeniert, die Atmosphäre stimmt, und vor allem die charismatischen Darsteller um Nolte (Palminteri, Madsen und Penn) bereiten neben dem restlichen, wirklich großen Ensemble enormen Spaß. Hätte sich Tamahori auf diesen Strang beschränkt, so hätte er die gesparte Zeit sogar noch nutzen können, um die konfuse Story zu entwirren. Stattdessen hemmt er den flotten Gangsterplot mit zermürbendem Beziehungsquark zwischen Nolte und Griffith, der schließlich in zehn langen und kaum erträglich rührseligen Schlußminuten gipfelt.

Dadurch, daß sich der Regisseur nicht zwischen Love- und Politstory entscheiden mag, wirkt natürlich der gesamte Film unentschlossen und inkonsequent. Da sich auch Dave Grusins orchestraler Score jener Unentschlossenheit anpaßt und damit absolut enttäuscht, bleiben zur Freude eigentlich nur die Auftritte immer neuer bekannter Gesichter. Wem's reicht… 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #04.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap