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My Architect

My Architect – A Son's Journey. USA 2003. R,B: Nathaniel Kahn. K: Robert Richman. S: Sabine Krayenbühl. M: Joseph Vitarelli. P: Louis Kahn Project.
116 Min. academy films ab 21.10.04

Spirituelle Odyssee

Von Ekkehard Kern Der Überzeugung folgend, daß Reisen immer auch so etwas wie Erkenntnis bringen, begibt sich der amerikanische Filmemacher Nathaniel Kahn auf eine fantastische, spirituelle Odyssee. Auf die Suche nach dem eigenen Vater, Louis I. Kahn, dem wohl berühmtesten Architekten des 20. Jahrhunderts, nimmt er den Zuschauer mit – überall dorthin, wo die Bauwerke des Vaters die Bewunderung der Betrachter auf sich ziehen. Nathaniel geht davon aus, daß Menschen immer etwas zurücklassen, wenn sie sterben und daß sein Vater nicht nur in Gefühlen und den Erinnerungen vieler Menschen, sondern ebenso in der monumentalen Aura seiner Bauwerke fortlebt: »Each place that I went to, a part of him was there.«

Das Salk Institute in Southern California, das National Assembly Building in Dhaka (Bangladesch) sowie viele weitere Meisterwerke der Architektur hinterließ der 73jährige seiner Nachwelt. Allesamt von einer beeindruckenden Konzeption und zumeist schlicht aus Ziegeln und Beton gefertigt. Zuletzt gab es sogar Pläne für eine schillernde Synagoge, die mitten im Gelobten Land entstehen sollte.

Und wie steht es um die Menschen, mit denen Louis Kahn seinerzeit zu tun hatte? Die Gespräche, die sein Sohn für den Film und für sich selbst führte, haben eines gemein: Sie können sich nur äußerst vage dem Mythos um den Verstorbenen annähern. Je mehr man als Zuschauer von diesem erfährt, desto weniger scheint man wirklich begriffen zu haben von dem Mann, der von einigen als so charismatisch und liebenswert beschrieben wird. Er war »der Mann, der die Städte baute«, gleichzeitig aber der, der neben seiner Frau weitere Liebschaften unterhielt.

Dann plötzlich der mysteriöse Tod: Mit dem Gesicht am Boden wird Louis auf der New Yorker Pennsylvania Amtrak Station 1974 gefunden. Er ist völlig verschuldet, sein Name: ausgekratzt aus der eigenen ID. Ein Rätsel.

Nathaniel versucht ihm auf die Spur zu kommen, dem Phänomen des eigenen Vaters. Nach einer vor allem visuell beeindruckenden Reise ist am Ende des Films die Suche weder für ihn, noch für den Zuschauer wirklich vorbei, aber irgendwie ist sich der Regisseur dann doch sicher, die richtige Zeit und den richtigen Platz gefunden zu haben, um »Goodbye, Daddy« zu sagen… 1970-01-01 01:00
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