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Muxmäuschenstill

D 2004. R: Marcus Mittermeier. B: Jan Stahlberg. K: David Hofmann. S: Sarah Clara Weber. M: Phirefones. P: Schiwago Film. D: Jan Henrik Stahlberg, Fritz Roth, Wanda Perdelwitz, Lydia Stange u.a.
90 Min. X Verleih ab 8.7.04

Rüge Deinen Nächsten

Von Christoph Pasour Mux ist Idealist und liebt die Menschen. Doch sie sind schwach und brauchen Führung, und deshalb kämpft Mux schon mal mit harten Bandagen – für die Tugenden Respekt und Verantwortungsbewußtsein. Bagatelldelikte gibt es nicht. Schwimmbadpinkler oder bleiche Schwarzfahrer, die an jeder Haltestelle von ihren Bild-Zeitungen hochschrecken – das ist seine Klientel, die nimmt er sich richtig zur Brust. Denen soll klar werden, daß sie nicht besser als Päderasten und Vergewaltiger sind, weil schon mit der kleinsten Nachlässigkeit das Fundament unseres Zusammenlebens erodiert.

Als Weltverbesserer von heute hat Mux Unternehmergeist und macht aus seiner Mission einen florierenden Kleinbetrieb. Das pädagogische Verprügeln eines Sprayers muß man fortan unter dem Begriff »Kundenbetreuung« verbuchen. Mit Erfolg: Die Rückfallquote seiner Kunden liegt unter 10 Prozent. Aber die Welt will sich Mux' Idealen nicht so recht beugen, und so ist ihm der Weg des tragischen Helden vorgezeichnet.

Auf dem Max Ophüls Festival ausgezeichnet und für den Deutschen Filmpreis nominiert, ist Muxmäuschenstill das brillante Psychogramm eines unbestechlichen, rigorosen Ausputzers, dessen Idealismus faschistische Züge annimmt. Dabei bezieht der Film keinen Standpunkt in einer »Law and order«-Debatte. Vielmehr geht es um das Nachzeichnen von Verführungskraft einer schillernden Persönlichkeit, von Mechanismen der Manipulation.

Mux' Charme des Integren und seine fabelhafte Eloquenz erwischen uns Zuschauer auf dem falschen Fuß. Unversehens gehen wir viel weiter, als wir je wollten. Dorthin, wo Mux sein Mäuschen zückt, seine Pistole, um der Tugend zu ihrem Recht zu verhelfen. Dorthin, wo die Menschenverachtung beginnt. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #35.
© 2012, Schnitt Online

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