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Mut zur Wahrheit

Courage under Fire. USA 1996. R: Edward Zwick. B: Patrick Shane Duncan. K: Roger Deakins. M: James Horner. S: Steven Rosenblum. D: Denzel Washington, Meg Ryan, Lou Diamond Phillips, Scott Glenn, Michael Moriarty u.a.
115 Min. 20th Century Fox ab 9.1.97
Von Dirk Steinkühler Amerika braucht seine Helden, und da die glorreichen Taten der Soldaten im Golfkrieg scheinbar noch nicht gebührend gefeiert wurden, legt Hollywood jetzt ein überfälliges Machwerk nach. Kein Problem für Edward Zwick, der zuletzt mit Legenden der Leidenschaft den Stellenwert amerikanischer Werte und Traditionen zur Zeit des Ersten Weltkriegs problematisieren wollte und uns eine Brad-Pitt-Shampoo-Reklame servierte.

Auch Mut zur Wahrheit verschenkt durchaus interessante Ansätze, indem Zwick sie nicht konsequent zu Ende führt. Colonel Nathaniel Serling (Denzel Washington) hat hart mit den Kriegsfolgen zu kämpfen. Die Erinnerung an eine von ihm befohlene, versehentliche Attacke gegen einen US-Panzer, bei dem die Besatzung starb, führt nicht selten zum Streit mit seiner Familie oder zum Griff nach der Flasche. Zudem wird Serling mit einem Schreibtisch-Job betraut, der Bearbeitung eines PR-Coups der Regierung, die erstmals in der amerikanischen Geschichte einer Frau die »Medal of Honor« verleihen will. Dabei stößt er auf ungeahnte Probleme, denn die betreffende Helikopterpilotin Captain Karen Walden (Meg Ryan) kam bei einer Rettungsaktion in der irakischen Wüste ums Leben, und scheinbar sollen Ungereimtheiten des Unglücks vertuscht werden. Serling beginnt, unangenehme Fragen zu stellen, um die wahren Begebenheiten zu ergründen.

Klingt unerwartet vielversprechend, ist es aber nicht, denn Zwick läßt die Story in ein halbherziges Drama münden. Er glänzt lieber mit seinen Spezialitäten wie wunderschönen Porträtaufnahmen, einem perfekt gestylten Hauptdarsteller, effektvollem Kriegsgetümmel und leidenschaftlichen Plädoyers für Familie und Ehre. Dazu gibt es wie immer voluminöse Musik von Zwicks Hauskomponisten James Horner und plakative Effekte wie der überall penetrant aufschwirrende Hubschauberlärm.

Nur selten tauchen kritische Töne auf, die allerdings letztendlich in der üblichen Soldaten-Beweihräucherung und der persönlichen Traumabewältigung untergehen. Die bewegende Familiensülze und die patriotische Soße mögen den Amerikanern vielleicht munden, den deutschen Kinozuschauer werden sie allerdings wenig interessieren, zumal Co-Star Meg Ryan lediglich in Rückblenden oder auf Fotos zu sehen ist. Schließlich bleibt noch die Frage offen, was der Gastauftritt von Scott Glenn als Enthüllungsjournalist eigentlich bewirken sollte. Somit reiht sich Mut zur Wahrheit in die Kategorie der Filme ein, die zwar jeder erwartet hatte, von denen aber alle gehofft haben, daß es sie nie geben würde. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #05.
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