— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Musica Cubana

Musica Cubana – The Sons of Havana. D/CUB/J 2004. R,B: German Kral. B: Stephan Puchner. K: Jörg Widmer. S: Peter Przygodda, Wolfgang Weigl, Andre Bendocchi-Alves. M: Sons of Havana. P: De Angelis Group, Victory Media Group. D: Pío Leiva, Bárbaro Marín, Mario »Mayito« Rivera, Pedro »El Nene« Lugo Martínez u.a.
90 Min. Solo Film ab 30.9.04

Caribbean Dreams

Von Frank Brenner Ohne Wim Wenders gäbe es den Musikfilm in den deutschen Kinos wohl mittlerweile nicht mehr. Mit seinem sensationellen Erfolg Buena Vista Social Club hat der Regisseur den betagten kubanischen Musikern, die er darin porträtierte, nicht nur eine Weltkarriere eröffnet, sondern auch seine eigene Liebe zur Musikdokumentation entdeckt. Für Martin Scorseses »The Blues«-Projekt inszenierte er nicht nur den Beitrag The Soul of a Man, Wenders nahm darüber hinaus auch noch einige der weiteren Filme der Reihe in seine Obhut, damit die fürs US-Fernsehen produzierten Dokumentationen hierzulande sogar über die große Leinwand flimmern konnten.

Bei Musica Cubana fungierte Wim Wenders als ausführender Produzent, und das Ergebnis mutet in der Tat wie eine Fortsetzung zum Buena Vista Social Club an. Angesiedelt in Kubas Hauptstadt Havanna, folgt die dünne Handlung des Semi-Dokumentarfilms der Gründung einer Band, den »Sons of Cuba«, die bei ihren Songs die traditionellen Rhythmen eines Pío Leiva mit neuen, zeitgemäßen Stilen zu kombinieren versucht. Der 85jährige Leiva dient denn auch als Bindeglied und wird von einem unternehmungslustigen Taxifahrer auf die Idee gebracht und zu den potentiellen Bandmitgliedern chauffiert. Diese dürfen dann erst einmal ihre eigenen Sachen darbieten, um den Film schließlich in einem umjubelten Konzert in Japan enden zu lassen, bei dem alle gemeinsam auf der Bühne den Compay-Segundo-Klassiker »Chan Chan« zum Besten geben.

German Kral gaukelt uns eine schöne heile Welt vor, wie sie verlogener kaum sein könnte. Sämtliche Spielszenen wirken dermaßen gekünstelt wie seit den Zeiten der komischen Intermezzi bei alten deutschen Schlagerfilmen nicht mehr. Diese Lückenfüller, die als Verbindungselement zwischen den Musiknummern herhalten müssen, sind an Peinlichkeit kaum noch zu überbieten. Man beginnt sich sogar ernsthaft zu fragen, ob das, was einem als authentischer Hintergrund präsentiert wird (die Mutter von sieben Kindern, die von ihrem entbehrungsreichen Leben erzählt; der Pascha, der sich von seiner achtzehnjährigen Frau die Füße massieren läßt), nicht ebenso frei erfunden ist wie die albernen Szenen um den Transport einer Torte oder mit den japanischen Touristen. Man wird das Gefühl nicht los, daß sich hier noch einige Leute an den letzten Zuckungen eines längst schon wieder gestorbenen Musiktrends weiden wollen. Wer kubanische Musik liebt, ist jedenfalls wesentlich besser bedient, wenn er sich einfach nur das Soundtrackalbum zu diesem mißglückten Film besorgt. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap