— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Muppets aus dem All

Muppets From Space. USA 1999. R: Tim Hill. B: Jerry Juhl, Joseph Mazzarino, Ken Kaufman. K: Alan Caso. S: Michael A. Stevenson, Richard Pearson. M: Jamshied Sharifi. P: Jim Henson Pictures. D: Gonzo, Kermit der Frosch, Miß Piggy, Rizzo die Ratte, Jeffrey Tambor u.a.
88 Min. Columbia TriStar ab 16.12.99

Große Stars

Von Frank Brenner Als Kind der 70er und 80er Jahre bin ich mit dem Fernsehapparat großgeworden. Mit den Figuren aus japanischen Zeichentrickserien, tschechischen Neuzeitmärchen und den Werken aus Jim Hensons Produktionsfirma verbinde ich einige der nachhaltigsten und liebenswertesten Kindheitserinnerungen.

Begegnet man seinen Idolen der Kindheit als Erwachsener nach Jahren wieder, wird die Wiedersehensfreude mitunter getrübt und der Spaß von einst relativiert. Asiatische Animationsreihen à la Biene Maja oder Pinocchio verbuchen auf dem Habenkonto höchstens noch eine originelle Sprecherwahl, bleiben aber ansonsten inhaltlich genauso flach wie in der optischen Gestaltung. Die Tschechoslowaken haben mit Pan Tau oder der Märchenbraut höchst phantasievolle Serien kreiert, die aber an einer recht simplen tricktechnischen Umsetzung kranken.

Die Henson-Produktionen Muppet Show und »Die Fraggles« hingegen bestehen den Test der Zeit mit Bravour. Dank einer Ausstattung mit viel Liebe zum Detail, zeitlos gutem Storykonzept und ausgefeilter Figurencharakteristik bieten diese Sendungen auch heute noch Unterhaltung für die ganze Familie, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Muppets sind schon lange keine einfachen Fernsehstars mehr. Bereits 1979 wagten sie den Sprung auf die große Leinwand und haben ihre Kinotauglichkeit danach in vier weiteren Filmen unter Beweis gestellt. Diese fünf kleinen Meisterwerke machten aus den knuffigen Kreaturen ›richtige‹ Schauspieler, die in Verfilmungen von Charles Dickens und Robert Louis Stevenson brillieren konnten.

Muppets aus dem All ist der sechste Langfilm mit Kermit, Miß Piggy & Co. und das Regiedebüt von Tim Hill. Die Perfektion und der Erfolg der vorangegangenen Filme machten Hill seinen Einstand nicht gerade leicht. Die Erwartungen an das neue Kinoabenteuer waren bei mir als langjährigem Fan dementsprechend hoch. Doch der Regisseur zerschlägt schon mit seiner Eröffnungssequenz sämtliche Zweifel an seinen inszenatorischen Fähigkeiten. Mit einer rasanten Kamerafahrt durch das Muppet-Haus führt er seine Protagonisten beim wortlosen Verrichten ihrer morgendlichen Routine in die Handlung ein und plaziert dabei schon gekonnt einige optische Gags.

Auch dieser Film ist dermaßen opulent ausgestattet, daß einem beim ersten Anschauen zahlreiche Details entgehen werden. Die Handlung lehnt sich nach den beiden vorangegangenen Literaturverfilmungen nun wieder eher an den ersten Muppet-Film an, in dem die Puppengeschöpfe einfach sich selbst spielten. Im Mittelpunkt steht diesmal Gonzo, von dem niemand so genau weiß, was er eigentlich ist und woher er kommt. Der einsame und von Alpträumen geplagte Fast-Truthahn mit Kleiderbügelnase erhält durch seine ABC-Frühstücksflocken eine Nachricht aus dem Weltall. Seine außerirdischen Verwandten wollen mit Gonzo Kontakt aufnehmen und machen ihn damit zum gefundenen Fressen für die Medien und die Sicherheitsdienste der Regierung.

Den Drehbuchautoren dient dieser rote Faden als Gerüst für eine wilde Gagabfolge, bei der gängige Kinoklischees zitiert, parodiert und widerlegt werden. Klassiker wie Close Encounters of the Third Kind und The Birdman from Alcatraz werden ebenso wenig verschont wie die aktuelleren Hits Men in Black und The X Files. Auch den James-Bond-Filmen wird mehrfach Tribut gezollt. Besonders gelungen ist der an ›Q‹ angelehnte Auftritt von Dr. Honigtau-Bunsenbrenner, der die Helden mit seinen Geheimwaffen ausstattet: u.a. mit einer Flüssigkeit, die Wände in Türen verwandelt und einer Quietscheente, mit der man sich unsichtbar machen kann.

Einige menschliche Gaststars vergessen mal wieder jegliche Selbstachtung und machen sich bei diesem Puppentheater mehr zum Affen als ihre flauschigen Kollegen. Andie MacDowell als skrupellose Reporterin und Jeffrey Tambor als fieser Regierungsbeamter sorgen dabei für die größten Lacher. Wenn dann am Ende die Alien Gonzos den Kool & The Gang-Hit »Celebration« anstimmen, weiß man, daß man nicht mehr Kind sein muß, um diesen Film zu lieben. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap