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Mr. Deeds

USA 2002. R: Steven Brill. B: Tim Herlihy. K: Peter Lyons Collister. S: Jeff Gourson. M: Teddy Castellucci. P: Happy Madison u.a. D: Adam Sandler, Winona Ryder, Peter Gallagher, Jared Harris, John Turturro u.a.
97 Min. Columbia ab 15.8.02
Von Holger Liepelt Märchen handeln von Unschuld, von der Reinheit des Herzens und von der Liebe als unbesiegbarer Macht. Als Verkörperung dieser Merkmale tragen die Figuren in Märchen immer den Sieg über die Übelwollenden und Egoistischen davon.

Der Plot von Mr. Deeds ist so schlicht wie märchenhaft: Longfellow Deeds, die Unschuld vom Lande, erbt den Konzern und das Vermögen eines entfernten Verwandten aus New York. Das wird als modernes Babylon gezeigt, bevölkert von geldgierigen Geschäftsführern, blasierten Autoren, eitlen Opernsängern und nicht zuletzt einer ehrgeizigen Journalistin, die Deeds zu Karrierezwecken als Trottel entlarven will. Kraft seines entwaffnenden Landei-Charmes gelingt es Deeds, ihr Herz zu erobern und die Großstadtzyniker in die Schranken zu verweisen.

Der Wille von Produzent Adam Sandler und Regisseur Steven Brill, ihrem Remake von Frank Capras Mr. Deeds goes to Town einen zeitgenössischen Touch zu geben, ist ständig spürbar. Weil die simple Geschichte zeitlos ist (abgesehen von einer Korrektur der Erbschaft um den Faktor 200), geschieht die Anpassung an den Zeitgeist auf der inszenatorischen Ebene: Die meisten Gags sind von derber Körperlichkeit und kokettieren mit dem Tabubruch, ohne aber den entscheidenden Schritt zu tun.

Anders als bei den Farellys, den überdeutlichen Paten, weisen die gewollt geschmacklosen Gags nicht zurück auf eine Genreparodie, hier geht es nur um den Brüller Marke »sich kloppende Frauen«. Noch schlimmer wiegt, daß der avisierte Tabubruch sich in keinster Weise mit dem Märchencharakter des Plots verträgt. Die Überzeugungskraft der Geschichte wird ausgehebelt, weil Deeds durch die Pointen nicht als schlicht denkender, aber reiner, unschuldiger Tor mit handfesten Methoden dargestellt, sondern als das entlarvt wird, für das die eigentlich so falschen New Yorker ihn halten: als dumpfer Trottel mit Brei in der Birne.

Und wo die Farrelly-Brüder mit exzellenten Besetzungen auftrumpfen können, bleibt Mr. Deeds nur Adam Sandler, der seiner modernen Variante keinen Funken des vielbeschworenen Charmes einhauchen kann. Übrig bleibt einzig und allein John Turturro als öliger Butler, enthemmt chargierend, der würdevoll seine müden Running Gags über die Runden bringt. 1970-01-01 01:00
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