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Mord und Margaritas

The Matador. USA 2005. R,B: Richard Shepard. K: David Tattersall. S: Carole Kravetz. M: Rolfe Kent. P: Furst Films, Irish DreamTime. D: Pierce Brosnan, Greg Kinnear, Hope Davis, Philip Baker Hall u.a.
96 Min. Buena Vista ab 20.4.06

Genie und Schnauzbart

Von Daniel Bickermann Die Zeit nach Bond ist für jeden Darsteller schwierig: Der kernige Timothy Dalton treibt sich in Sandalen-Zweiteilern fürs Fernsehen herum, George »Old Slowhand« Lazenby hat in fast so vielen Emanuelle-Filmen mitgespielt wie Sylvia Kristel, und der ewige Charmeur Roger Moore wurde das letzte Mal in Spice World gesichtet, wenn man alberne Klamotten mit Cuba Gooding Jr. nicht mitzählt (und bei Gott, das sollte man auch nicht). Selbst der unverwüstliche Sean Connery brauchte eine Verschnaufpause zwischen seinen vielen Bond-Abschieden und einem dann doch fulminanten Comeback.

Brosnan nun besinnt sich mit The Matador, wie der Film wesentlich eleganter im Original heißt, auf sein Talent als Comic Actor, das er ja schon als Remington Steele andeutete und in Filmen wie Mars Attacks! immer wieder eindrucksvoll unter Beweis stellen durfte. Er und sein charmanter Schnauzbart sind die unbestrittenen Hingucker dieser durchaus amüsanten Charakterkomödie, spielen beide furios auf und wurden gemeinsam (durchaus zurecht) für einen Golden Globe nominiert. Die Rolle des abgehalfterten Auftragsmörders, Möchtegernkosmopoliten und Schürzenjägers mag auf den ersten Blick wie nicht viel mehr als ein bitterer Bond-Abgesang erscheinen, aber Brosnan weiß nicht nur die sarkastischen Momente zu gestalten, sondern auch die stillen, anrührenden. Hier ist ein Mensch, der jenseits aller Killer-Klischees Einsicht lernt, am beeindruckendsten wohl dort, wo er einem anderen das Töten ausredet. Daneben sorgen der ewige Saubermann Greg Kinnear und die abermals hinreißende Hope Davis für den erwartungsgemäß nur oberflächlich bürgerlichen Kontrast, der aber dankbarerweise auch nie in einen Rollentausch-Slapstick abrutscht. Das Schnitt- und Kamera-Team findet indes für einige Spannungsmomente eindrucksvolle Motive und Montagen und würzt so einen ansonsten sehr nüchternen Film mit fiebrigen oder auch phantastischen Impressionen.

Prinzipiell aber besteht die Qualität des Films in all dem, was er eben nicht geworden ist, in den zahlreichen Klippen, die er umschifft. Der Plot bleibt trotz aller Ähnlichkeiten mit Analyze This (Angstattacken beim Auftragsmord) und The Whole Nine Yards (Jedermann trifft Profikiller) immer abwechslungsreich und erwachsen genug, um nie so langweilig oder albern zu werden wie diese vermeintlichen Vorbilder. Die Wendungen mögen nicht immer originell sein, aber die frische Regie von Richard Shepard spielt all ihre Stärken aus, überkommt jedes Klischee, entzieht sich aller Erwartung und schwenkt statt dessen hier mal zum Freundschaftsdrama und dort mal zum Charakterportrait. Wahrscheinlich wird dieser Film niemandes Leben verändern, aber er wird auch niemandes Intelligenz beleidigen; und mit einer netten Person an der Seite und einer Packung Nachos zur Hand wird daraus sicher ein unterhaltsamer Abend. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #42.
© 2012, Schnitt Online

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