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Monday

J 1999. R,B: Sabu. K: Kazuhiko Sato. S: Kumio Onaga. M: Kenichiro Shibuya. P: Bong-Ou Lee. D: Shinichi Tsutsumi, Yasuko Matsuyuki, Ren Osugi, Masanobu Ando u.a.
100 Min. Rapid Eye Movies ab 7.6.01

Böser Kult

Von Nikolaj Nikitin Auch wenn dieser Satz schon auf viele Filme angewendet wurde, paßt er zu diesem Werk wie die Faust auf's Auge: »Eine cinematographische Erkundungsfahrt, die ihresgleichen in der Filmgeschichte sucht« – und das nicht nur wegen der ein oder anderen exzessiven Kampfszene. Gemeint ist das aktuelle Werk des japanischen Kultregisseurs Sabu. Es mag recht plakativ wirken, einen noch recht jungen Filmemacher (Jahrgang 1964), der erst vier Filme als Regisseur verantwortet hat, gleich mit der Bezeichnung »Kult« abzustempeln, aber in diesem Fall trifft es einfach zu.

Denn wer D.A.N.G.A.N. RUNNER, Postman Blues oder Unlucky Money gesehen hat, stellt den talentierten Autor nicht nur in die Tradition des großen japanischen Kinos, sondern vor allem in eine Linie mit dem Meister des Morbiden Takeshi Kitano und erkennt unverkennbar Stilelemente, die seinesgleich suchen. Ähnlich wie Beat fing auch Sabu seine Karriere als Schauspieler an. Das erklärt auch die gekonnte Schauspielerführung in Monday.

Ähnlich wie der Versuch, den Protagonisten zu beschreiben, der an einem Montag Morgen mit einem Blackout in einem Hotelzimmer aufwacht und sich erst an nichts erinnern kann, ist es mühselig, die Handlung nachzuerzählen. In hundert Minuten wird uns einfach ein Befreiungstrip eines verklemmten Angestellten geschildert, der durch übermäßigen Drogenkonsum zum King of the Road mutiert. Ähnlich wie Mr. Hyde, oder eher wie Buddy Love wird er zum supercoolen Macho, der durch alle Öffnungen nicht erlaubte Substanzen konsumiert, und aus allen Röhren ballert, was das Zeug hält.

Im Grunde der Traum jedes depressiven Bürohockers – Falling Down, aber im John Travoltas Saturday Night Fever-Stil, kombiniert mit Emilio Estevez in Wisdom, ohne den politischen Hintergrund. ›Ausgeflippt‹ wäre für das Verhalten des Protagonisten eine untertriebene Äußerung, denn erst losgelassen überschreitet Koichi Takagi alle Grenzen des Erlaubten. Und da Sabu sein Handwerk wirklich versteht und über eine blühende Phantasie verfügt, weiß er diesen Seelentrip bzw. -striptease, zudem er sich im wahrsten Sinne des Wortes entwickelt, gekonnt visuell umzusetzen.

Den Film zeichnet eine ungeheure Dynamik aus, die Kamera weiß stets zu überzeugen und läßt uns als gebannten Zuschauer genügend Raum, um dem Ablauf der Aktionen zu folgen. Schießereien werden genüßlich ausgekostet, und eine am Anfang des Filmes gezeigte Beerdigungszeremonie bildet einen neuen Höhepunkt in Sachen anti-pc. Während sich diese Haltung im amerikanischen und europäischen Kino eher im banalen Gebrauch einer überreizten Fäkalsprache oder albernen Figuren wie männermordenden Schlampen zu beweisen und Aufsehen zu erhaschen hofft, bricht Sabu noch wirklich mit Tabus, und sein Film erscheint nicht nur einfach frech, sondern richtig böse – vor allem aber von Anfang an irrwitzig komisch und überaus unterhaltsam. 1970-01-01 01:00
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