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Mörderisches Spiel

Under Suspicion. USA/F 2001. R: Stephen Hopkins. B: John Wainwright, Claude Miller u.a. K: Peter Levy. S: John Smith. M: Brian Transeau. P: Revelations Entertainment. D: Gene Hackman, Morgan Freeman, Monica Bellucci u.a.
110 Min. Fox ab 3.5.01
Von Carsten Tritt Kinder, wie die Zeit vergeht. Es ist kaum 25 Jahre her, da hörte Gene Hackman auf den Namen Popeye und trug den töftesten Hut der Welt. Und jetzt stolpert er durch einen Kriminalfilm für Senioren, gegen den der Freitagskrimi im ZDF die filmgewordene Innovation ist, und muß aufpassen, daß ihm nicht das Toupet vom Kopf fällt.

Nicht, daß der Film sich nicht bemüht, originell zu sein. So spielt er nicht in Los Angeles, sondern in Puerto Rico, was der Geschichte eine gewisse Exotik geben soll, und außerdem wirken die US-amerikanischen Charaktere dann bedeutender, denn sie sind ja immerhin so was ähnliches wie Kolonialherren.

Der Regisseur Stephen Hopkins nutzt sogar Stilelemente, die 1991 bei Tarantino mal cool waren, beherrscht sie aber nicht, und so wirkt das Ganze – freundlich ausgedrückt – bemüht. Die Charaktere sind unglaubhaft, obwohl der Film psychologisch anspruchsvoll sein will, und selbst den Mordopfern ist anzusehen, daß sie nur darauf warten, wieder aufstehen und nach Hause gehen zu können.

Am schlimmsten ist aber: Wenn die Schauspieler etwas ganz Wichtiges zu sagen haben und ganz doll in sich gehen, dann drehen sie ihrem Gesprächspartner den Rücken zu und unterhalten sich mit der Wand. Das sieht man sonst nur in TV-Seifenopern, wo gar kein Geld für Regieeinfälle vorhanden ist. Super gemacht, Herr Hopkins. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #22.
© 2012, Schnitt Online

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