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Mitten ins Herz

Music and Lyrics. USA 2006. R,B: Marc Lawrence. K: Xavier Pérez Grobet. S: Susan E. Morse. M: Adam Schlesinger. P: Castle Rock Entertainment, Flower Films, Village Roadshow Pictures. D: Hugh Grant, Drew Barrymore, Brad Garrett, Kristen Johnston, Campbell Scott u.a.
104 Min. Warner ab 8.3.07

Pop, Goes My Heart

Von Maike Schmidt Ach ja, das Leben ist schön. So wunderbar, wenn schöne Menschen schöne Dinge tun, in schönen Wohnungen leben und mit anderen schönen Menschen kommunizieren, wobei sie schöne Dinge sagen, denen schöne Dinge folgen.

Ja, das ist zum großen Teil, eigentlich immer, Setting eines liebeskomödienartigen Gute-Laune-Films mit Hugh Grant in der Hauptrolle. Erwartungen sind nach den hundert Filmen, wie Notting Hill oder Ein Chef zum Verlieben oder Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück oder Tatsächlich… Liebe angekurbelt worden und werden auch mit Mitten ins Herz nicht enttäuscht. Und das ist gut so. Denn, mal ehrlich, manchmal gibt es nichts Schöneres, als einen Kinoabend mit sicherem Ausgang zu bestreiten, an dem man weiß, daß man, sicher aufgehoben im warmen Kinosaal, eine Geschichte erzählt bekommt, dessen Happy-End sich durch nichts aufhalten läßt, sondern schon die erste Szene unweigerlich auf dieses hinweist. Beruhigend. So fällt die Wahl nicht schwer, sollten folgende zwei Komponenten ausschlaggebend sein: Will ich die völlige Irritationslosigkeit oder will ich Hugh Grant oder will ich eben beides, weil beides zusammengehört?

Interessanterweise hat Hugh Grant in den letzten Jahren mittels seiner Filme und den da zur Schau gebrachten Figuren eine Metamorphose durchgemacht, die sich nicht anhand des Schauspielers definieren lassen, sondern anhand der Veränderungen der von ihm dargestellten Personen. War er am Anfang seiner Filmkarriere immer der leicht trottelige, weltfremde, aber durchaus liebenswert-charmante Jüngling mit beeindruckender Haartolle, wie in Vier Hochzeiten und ein Todesfall oder Mickey Blue Eyes, so strampelte er sich von dieser recht einseitigen Ausprägung los, hin zu einer differenzierteren Figurenspezifik. Auslöser war hier die Rolle des Danny Cleaver in Bridget Jones, die Grant mit rechten Fieslingseigenschaften darstellte und sich seiner Schwiegermutterattitüden im Rundum-Schlag entledigte. Dies wurde mit About a Boy mittels einer neuen Kurzhaarfrisur komplementiert, und Grant stieg in der Folge mit American Dreamz in die Vorhalle der unliebsamen Filmfiguren auf. Daß er dies nun nicht zu einem von Karrierewünschen geleitetem Vorzug von diversen, schwierigen Charakterrollen ausbauen sollte, zeigt die Wahl des Alex Fletcher in dieser seiner neuen Komödie. Es sind altbekannte Motive, die hier die Geschichte entstehen lassen. Zwei Menschen treffen unerwartet aufeinander, man mag sich mehr schlecht als recht, äußere Umstände zwingen sie zu immer neuen Begegnungen, bis die Liebe siegt und das Happy End den Zuschauer mitten ins Herz trifft. Dies wirkt wie ein Zyklus filmischer Versatzstücke, der sich sicheren Ingredienzien annimmt, um den Zuschauer bloß nicht zu verwirren und ihn damit an den Film zu binden.

Und das funktioniert. Wie immer gut, wie immer ohne Irritation, wie immer mit einem tollpatschig, liebenswerten, wenn auch nun mit leichten Egozentrikkomponenten ausgestatteten Hugh Grant, dem die Metamorphosen zwar anzusehen sind, hier aber nicht weiter ausgebildet werden. Daß Drew Barrymore als Filmpartnerin sich hier gut einfügen kann, soll zum Schluß noch Erwähnung finden, auch wenn der Film eher einer One-Man-Show gleicht, als denn einer auf Gleichberechtigung ausgerichteten Screw-Ball-Komödie, was aber nicht weiter stört. Denn dies ist eben ein Hugh Grant-Film und kann daher schmückend-niedliche Beimengen gut gebrauchen, darf aber von diesen nicht übertönt werden. Und auch wenn dieser Film im Vergleich mit seinen Vorgängern nicht unbedingt als neuer Höhepunkt deklariert werden kann, so bleibt doch die Anfangssequenz bestimmt für lange Zeit unvergessen, in der Hugh Grant als 80er Jahre-Popstar auf 20 geschminkt in einem der Ästhetik dieses Jahrzehnts angelehntem Videoclip auftritt und ein Lied mit dem Titel »Pop, Goes My Heart« singt. Das trifft dann tatsächlich mitten ins Herz. 1970-01-01 01:00
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