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Miss Undercover

Miss Congeniality. USA 2000. R: Donald Petrie. B: Marc Lawrence, Katie Ford, Caryn Lucas. K: László Kovács. S: Billy Weber. M: Edward Shearmur. P: Fortis Films/Village Roadshow. D: Sandra Bullock, Michael Caine, Benjamin Bratt, Candice Bergen, William Shatner, Ernie Hudson, Heather Burns u.a.
109 Min. Warner ab 29.3.01

Actor-Movie

Von Carsten Happe Die ersten Minuten von Miss Undercover sind beispielhaft für die Effizienz der Erzählmaschine Hollywood: In einer längeren Sequenz und einigen kurzen Szenen wird die Protagonistin des Films, Special Agent Gracie Hart, vorgestellt; in ihrer Kindheit, bei Ausübung ihres Jobs, im Durcheinander ihrer Wohnung. Nach diesen kurzen Einstellungen ist ihr Charakter derart klar umrissen, so unmißverständlich, daß sie am Ende des Films nur eine völlig andere sein kann.

Miss Undercover ist primär die Geschichte einer umgekehrten Emanzipation. Gracie Hart zu Beginn ist tough, aber mitfühlend, besitzt einen ausgeprägten Scharfsinn und versinkt doch im Chaos, bereits ihr Name spricht Bände: Unter all der Härte, die sich in ihren zynischen Bemerkungen den Weg bahnt, liegt eine große Portion Anmut. Das Weibliche zu offenbaren, für den anstehenden Schönheitswettbewerb, bei dem Miss Hart als Undercover-Agentin einen Killer dingfest machen soll, liegt in den routinierten Händen Victor Mellings, einem Fachmann für Schönheitsfragen, der die klassische Pygmalion-Konstellation komplettiert. Hier der weltgewandte Lehrmeister, snobistisch, aber mit grenzenloser Geduld, dort das zu modellierende Geschöpf.

Der Aufprall dieser Antagonisten, ihre erste Begegnung im Nobelrestaurant, die verzweifelten Versuche, Gracie Hart Model-Contest-kompatibel zu machen, die finale Erkenntnis schließlich, dem jeweils anderen wichtige Einsichten vermittelt zu haben, bilden dann auch die zweifelsohne schönsten Szenen des Films, Oasen des leichtfüßigen Witzes, des bissigen Bonmots inmitten einer allzu offensichtlichen und schlampig inszenierten Krimistory. Auch die anfangs durchaus gefällige Satire auf das bizarre Miss-America-Business erliegt zusehends der eigentümlichen Faszination der choreographierten Fleischbeschau und übernimmt letztlich fraglos dessen triviale Weltsicht.

So bleibt schlußendlich ein leidlich amüsanter Schauspielerfilm übrig – mit einem grandiosen Michael Caine und dem erfreulichen Comeback von Candice Bergen – der in den Nebenrollen freilich wie ein Resozialisierungsprogramm für Unvermittelbare und zweifelhafte Berühmtheiten wirkt: William »Kirk« Shatner gibt in einer gespenstischen Performance den abgehalfterten Conferencier der Show, Ernie »Ghostbuster« Hudson den grimmigen Vorgesetzten und Benjamin »Lebensabschnittspartner von Julia Roberts« Bratt den verliebten FBI-Kollegen.

Nicht komplett miss-glückt das Ganze, aber Miss Undercover ist eher der Top Gun denn der Nashville des Bikiniwettbewerbs. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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