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Men of Honor

USA 2000. R: George Tillman Jr. B: Scott Marshall Smith. K: Anthony B. Richmond. S: John Carter, Dirk Westervelt. M: Mark Isham. P: Fox 2000, State Street. D: Robert De Niro, Cuba Gooding Jr., Charlize Theron, Aunjanue Ellis, Hal Holbrook, Michael Rapaport, Powers Boothe, David Keith u.a.
128 Min. Fox ab 10.05.01

Militärdrama

Von Carsten Tritt Früher, als es noch richtige Kriegsfilme gab, galt das Interesse doch weniger dem Militär selbst. Es ging eigentlich nur darum, daß man Telly Savalas eine Maschinenpistole in die Hand drückte und abwartete, was passiert. Inzwischen hat sich das Blatt jedoch gewendet, und der klassische Kriegsfilm (aus PR-Gründen z.T. als »Antikriegsfilm« bezeichnet) ist selten geworden, Werke wie U 571 oder der Duell – Enemy at the Gates bilden die Ausnahme. Das mag daran liegen, daß die USA als einzig verbliebene Supermacht sich schon in die Hose macht, wenn die Besatzung eines Spionageflugzeugs mal in China ein bißchen festgehalten wird, vielleicht findet sich auch inzwischen einfach kein würdiger Gegner mehr, für den man mal wieder mehr einsetzen möchte als ein wenig chirurgische Kriegsführung.

Natürlich taucht das Militär immer noch in Filmen auf, aber inzwischen beschäftigt es sich lieber mit sich selbst als mit dem Feind: Willkommen im Militärdrama. Auch dieses schnuckelige kleine Filmchen gehört zu diesem Genre. Es geht mal wieder um eine Frage der Ehre. Diesmal ist es allerdings besonders schlimm, denn das Werk beruht »auf einer wahren Begebenheit«.

Erzählt wird die Geschichte von Carl Brashear, einem jungen afro-amerikanischen Bauernsohn, der als Taucher Karriere in der Marine machen möchte, und sich sogar das linke Bein abschneiden würde, um den von ihm erstrebten Rang des Master Chief Sergeant zu erreichen (der höchste Nicht-Offiziers-Rang in der Navy!).

Ich kann mir geradezu vorstellen, wie der Brashear, der im Abspann als »Key Military Consultant« auftaucht, einem tapferen Drehbuchautor von der Erinnerung geschönte Episödchen aus seinem Leben erzählt, die letzterer dann zu einem Bildungsfilm zusammenreihen muß. Der harte Kampf, den er in der rassistischen Navy der 40er Jahre erlebt hat, als erster afro-amerikanischer Navy-Taucher überhaupt. Schicksalsschläge und die große Liebe zu seiner Jo, die ihm Nachhilfestunden in Rechtschreibung gegeben hat. Und natürlich: Liegestütze im Abendrot. Kann es etwas Ehrenhafteres geben?

Am Ende, wenn der gealterte Film-Brashear seine letzte große Prüfung vor einem Ausschuß bestanden haben wird, kommt sein kleiner Sohn angelaufen, und – das sehen wir aus seinem Blick (der Kleine darf nämlich nichts sagen, weil Sprechrollen kosten ja extra) – der ist dann ganz Stolz auf seiner Vater, der sich als wahrer Mann von Ehre erwiesen hat. Und die Ehre, das sagt Brashear noch mal für uns alle, die wir es vergessen haben könnten, die wir es in unserer Naivität vielleicht noch gar nicht bemerkt haben und die wir wie sein kleiner Sohn stumm heraufschauen zu diesem großen, einbeinigen Mann, die Ehre ist das allerwichtigste in der Navy. 1970-01-01 01:00
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