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Mein Name ist Bach

D/CH 2003. R,B: Dominique de Rivaz. B: Jean Luc Bougeois, Leo Raat. K: Ciro Cappellari. S: Isabel Meier. M: Frédéric Devreese. P: Pandora, Twenty Twenty Vision. D: Vadim Glowna, Jürgen Vogel, Karoline Herfurth, Anatole Taubman u.a.
99 Min. Pegasos ab 8.4.04

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Von Daniel Albers Nun ist Jürgen Vogel also endgültig in der deutschen Geschichte angekommen. Und in seiner Rolle als König Friedrich II. von Preußen und komplexbeladener Widerpart des musikalischen Genies Johann Sebastian Bach ist er erstaunlicherweise glaubwürdiger als in seinen kurzen Auftritten in von Trottas Aufarbeitungsdrama Rosenstraße. Jedoch merkt man ihm auch hier nicht an, daß er, wie er in offiziellen Informationen zum Film verlauten ließ, die Sprache der Zeit zu sprechen gelernt hat.

Vielleicht aber gehört auch diese scheinbar gescheiterte Authentizität zu den vielen Anachronismen, die Regisseurin Dominique de Rivaz bewußt und provokant in ihren Film eingebaut hat und die ihn davor bewahren, vor Respekt gegenüber den großen deutschen Persönlichkeiten Bach und Friedrich II. zu erstarren. Denn Mein Name ist Bach ist im Gegensatz zu den meisten anderen Kostüm- und Historienfilmen alles andere als steif – nur in wenigen Vertretern dieses Genres sind Szenen vorstellbar wie die »Jam-Session«, zu der Bach von Friedrich eingeladen wird und die beiden einen regelrechten Hang zu heiterem Anarchismus andichtet. Und auch die Darstellung des langsamen Abgleitens des preußischen Königs in den Irrsinn und seines Leidens an einer Art homoerotischem Vaterkomplex entbehrt nicht einer gehörigen Portion spekulativen Mutes.

Es sind ungewöhnliche Kinomomente und teilweise wunderschöne Bilder, die Rivaz ihren Zuschauern gönnt und die einige Passagen vergessen machen, in denen sich gepflegte Langeweile breitmacht. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #34.
© 2012, Schnitt Online

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