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Mein großer Freund Joe

Mighty Joe Young. USA 1998. R: Ron Underwood. B: Mark Rosenthal, Lawrence Konner. K: Don Peterman, Oliver Wood. S: Paul Hirsch. M: James Horner. D: Charlize Theron, Bill Paxton, Rade Serbedzija u.a.
111 Min. Buena Vista ab 1.7.99
Von Thomas Warnecke Joe Young ist ein Riesengorilla. Ein Wunder der Gentechnik? Wurde er mit holländischen Tomaten gefüttert? Atomtests? Schwarze Magie? Warum aus dem kleinen Affenbaby ein tonnenschwerer Riese wurde, bleibt im Dunkeln, und für einen Nachfahren von King Kong ist er viel zu harmlos: Zwar trommelt er sich schon mal auf die Brust und haut einen Jeep zu Brei, wenn Wilderer in sein Revier auf einem Berg in Zentralafrika eindringen, aber hauptsächlich ist Mighty Joe Young doch ein Opfer, das vor der Profitgier und sonstigen Auswüchsen der westlichen Gesellschaft geschützt werden muß.

Und damit es kräftig menschelt, haben Designer Rick Baker und sein Computeranimationsteam reichlich Disney-Millionen in die Affengrimassen investiert. Damit auch Pappi, der seinen lieben Kleinen ein bißchen kindgerechtes Actionkino bieten will, sich nicht langweilt, ist die weibliche Hauptrolle mit Charlize Theron besetzt, als polymorph-perverses Modell aus Woody Allens Celebrity noch in bester Erinnerung.

Und auch dieser Film ist polymorph – na ja, auf jeden Fall pervers, unterschwellig versteht sich: Joe Young und Jill Young (Theron) wachsen wie Geschwister im Dschungel auf, beide verlieren am gleichen Tag bei einem Wildererangriff ihre Mütter, und leben fortan unzertrennlich zusammen, machen Versteckspielchen und singen sich in den Schlaf… Überhaupt ist Joe Young wahrscheinlich der Traummann vieler moderner Frauen: nicht besonders intelligent, eher schweigsam, hört aufs Wort und ist vor allem kräftig und mächtig behaart.

Doch auch ein Affe hat Gefühle, und es regt sich schon so etwas wie Eifersucht, als der Biologe Gregg O'Hara in die inzestuös-sodomitische Zweisamkeit einbricht und fortan versucht, seinen Riesenkonkurrenten in der Sicherheit eines kalifornischen Zoos einzusperren… Genug der Versuche, diesen Film durch erotische Spekulationen interessant zu machen: Mein großer Freund Joe ist ein Drecksfilm, und noch dazu ein Remake! 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #15.
© 2012, Schnitt Online

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