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Mein Bruder ist ein Hund

D/GB/NL 2004. R: Peter Timm. B: Thomas Springer. K: Achim Poulheim. S: Barbara Hennings. P: Tradewind Pictures, Bos Bros., WDR. D: Maria Ehrich, Irm Hermann, Christine Neubauer, Martin Lindow u.a.
96 Min. Solo-Film ab 11.11.04

Wünsch Dir was

Von Frank Brenner Marietta hat ein echtes Problem – eines, das sie sicherlich mit vielen zehnjährigen Mädchen teilt. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als einen Hund zu besitzen. Doch ihr kleiner Bruder Tobias hat eine Tierhaarallergie und vielleicht auch deswegen ein Faible für Hühner. Jedenfalls erlauben es Mariettas Eltern nicht, daß sie sich einen Hund kauft und schenken ihr zum Geburtstag lieber den 98. Plüschhund. Von einem Patenkind ihrer Eltern aus Afrika bekommt Marietta einen Zauberstein geschickt, der seinem Besitzer den sehnlichsten Herzenswunsch erfüllen kann. Als die Eltern alleine in einen Versöhnungsurlaub aufbrechen und kurz bevor die ungeliebte Oma Gerda als Aufpasserin eintrudelt, probiert Marietta den Zauberstein aus – und Bruder Tobias verwandelt sich in ein niedliches, kleines Hundchen.

Peter Timm ist hierzulande so etwas wie ein Experte für Kinderfilme mit süßen Vierbeinern in den Hauptrollen geworden. Nach seinem sensationellen Kritiker- und Publikumserfolg Rennschwein Rudi Rüssel 1994 ließ er drei Jahre später mit dem Fernsehfilm Ferkel Fritz eine Art Fortsetzung folgen. Nun hat Timm vom Ferkel auf den Hund umgesattelt, versteht es aber nach wie vor noch blendend, mit beeindruckenden Tierkapriolen und herzerweichenden Hundeaugen sein Publikum zu begeistern, erst recht das aus der entsprechenden Zielgruppe. Besonders für die kleineren Zuschauer bietet Mein Bruder ist ein Hund kurzweilige Unterhaltung, bei der es durchaus auch überdenkenswerte kritische Ansätze gibt. Mariettas beste Freundin Lisa hat unter der Scheidung ihrer Eltern zu leiden, und auch Marietta selbst fürchtet ein ähnliches Schicksal, weil sich ihr Vater und ihre Mutter in letzter Zeit über die kleinsten Kleinigkeiten zu streiten beginnen. Genau wie die Eltern selbst sieht auch das Mädchen in dem Bootsurlaub eine letzte Chance, daß die beiden wieder zueinander finden. Aber auch Mariettas Wünsche, Sehnsüchte und Probleme nimmt Timms Film ernst.

Die talentierte junge Darstellerin Maria Ehrich führt auch als Erzählerin durch den Film und präsentiert damit das Seelenleben der kleinen Protagonistin. Diese leidet darunter, daß ihr sehnsüchtigster Wunsch nach einem Haustier aufgrund ihres kleinen Bruders nicht erfüllt werden kann. Ihre Wut manifestiert sich in dem Nachgeborenen, der ihr darüber hinaus auch den Platz als Nesthäkchen in der Familie streitig gemacht hat. Der pädagogische Wert von Mein Bruder ist ein Hund liegt unter anderem darin, daß Marietta trotz des mitunter problematischen Verhältnisses ihrer Eltern zueinander erkennen muß, welchen Wert eine intakte Familie für das persönliche Wohlbefinden darstellt. Als komische Nebenfigur liefert die ehemalige Fassbinder-Darstellerin Irm Hermann eine grandiose Performance als Großmutter, deren eigene Probleme im Film aber ebenfalls thematisiert werden, und deren gespaltenes Verhältnis zu Kindern und Tieren psychologisch untermauert wird. Peter Timm ist einmal mehr ein ansprechender Kinderfilm geglückt, der nicht nur gute Laune garantiert, sondern auch familiäre Werte großschreibt. 1970-01-01 01:00
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