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Maximum Risk

USA 1996. R: Ringo Lam. B: Larry Ferguson. K: Alexander Gruszynski. S: Bill Pankow. M: Robert Folk. D: Jean-Claude van Damme, Natasha Henstridge, Jean-Hugues Anglade, Zach Grenier, Stéphane Audran, Frank Senger, Paul Ben-Victor u.a.
100 Min. Columbia ab 23.1.97
Von Kay Pinno Nach John Woo hat es nun auch Ringo Lam, einen ohnehin eher westlich orientierten Hongkong-Filmemacher, der schon mit Undeclared War Erfahrungen in internationalen Gewässern sammeln konnte, in die USA verschlagen. Maximum Risk heißt sein erster Hollywood-Film, der schon in den ersten Minuten in die Vollen geht.

In einer explosiven Verfolgungsjagd wird ein Mann (Jean-Claude van Damme) in Nizza von zwei finsteren Schergen zu Tode gehetzt. Der ermittelnde Inspektor Alain Moreau (ebenfalls van Damme) muß mit Entsetzen feststellen, daß es sich bei Mikhail Suverov, so der Name des Toten, um seinen Zwillingsbruder handelt. Gemeinsam mit seinem Kollegen Sebastien (Jean-Hugues Anglade) macht sich Alain auf den Weg nach Paris, um seine Herkunft zu erforschen. Der einzige Erfolg ist der Fund der Adoptionspapiere mit der Adresse von Mikhail, aus denen hervorgeht, daß er von einer russischen Emigrantenfamilie adoptiert wurde. Mit Mikhails Papieren in der Tasche macht sich Alain sofort auf den Weg nach New York, um dort in die Rolle seines toten Bruders zu schlüpfen und dessen Vergangenheit aufzudecken.

Maximum Risk beeindruckt nicht durch die »Bösewichte-auf-der-Suche-nach-der-geheimnisvollen-Namensliste«-Story, wie sie schon hundertmal erzählt worden ist (zuletzt in Brian de Palmas Mission: Impossible), und die Zwillingsbrudergeschichte ist auch nicht gerade neu (Zufall oder nicht: Der Produzent ist derselbe wie bei Double Impact), aber trotz dieser Mankos besticht der Film durch Atmosphäre.

Von den kleinen Gassen in Nizza zu den dreckigen, verrauchten Straßen New Yorks wird nichts am Setting geschönt oder nach Hollywood-Manier gestylt. In gleicher Form präsentiert sich auch die Action, die sich nicht wie üblich in den Vordergrund spielt, sondern kalt und gemein daherkommt. Keine coolen Seagal-Sprüche und Zack-Bumm-Tot-Schläge versüßen den Gewaltgenuß.

Wenn Alain einem Mafiaschergen den Arm bricht, wird geschrien und gezappelt bis zur Grenze des Erträglichen. Diese Realitätsnahe ist auch den Charakteren zu verdanken, bei deren Darstellung sogar Jean-Claude van Damme gute Leistungen bescheinigt werden müssen. Natasha Henstridge darf leider wieder nur gut aussehen (aber das tut sie auch!), und Jean-Hugues Anglade stiehlt van Damme leider nur kurz die Show.

Unterm Strich ist Maximum Risk ein solider Action-Thriller, der für kurzweilige Unterhaltung sorgt, aber leider nicht der erwartete Knaller ist, der er vielleicht hätte werden können. Mein dringender Aufruf an die Produzenten: »Another gun for Ringo!!!« 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #05.
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