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Mauer

Mur. F/ISR 2004. R,B: Simone Bitton. K,M: Jacques Bouquin. S: Catherine Poitevin, Jean-Michel Perez. P: Ciné-Stud Promotion, Arna Productions.
98 Min. Ventura Film ab 12.5.05

Das heilige Land

Von Frank Brenner Je länger der Konflikt im Mittleren Osten schwelt und ungelöst bleibt, desto mehr Filmemacher setzen sich mit dieser Problematik auseinander und finden Mittel und Wege, das Schicksal der beteiligten Personen in Spiel- und Dokumentarfilmen zu thematisieren und somit in das Licht der breiten Öffentlichkeit zu rücken. Filme wie Rana's Wedding oder Die syrische Braut hatten die unüberwindbaren Barrieren zum Inhalt, die eine simple Hochzeit in den israelisch-palästinensischen Gebieten mit sich bringen kann. Der im nächsten Monat anlaufende, im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale ausgezeichnete Film Paradise Now berichtet aus dem Leben palästinensischer Selbstmordattentäter. Und ebenfalls auf der Berlinale dokumentierte Elle Flanders' Debütfilm Zero Degrees of Separation die Schwierigkeiten von homosexuellen Paaren, von denen der eine Jude, der andere Araber ist, und die sich aufgrund ihrer Beziehung keinem der beiden Länder zugehörig fühlen können.

Simone Bitton nutzt in ihrem Film Mauer auch den dokumentarischen Ansatz, um vom größten Bauprojekt Israels zu berichten, das seit einigen Jahren erbarmungslos vorangetrieben wird. Auf einer Gesamtstrecke von 500 Kilometern soll auf der Grenze zwischen dem Staat Israel und seiner verfeindeten Nachbarstaaten ein 50 Meter breiter Grenzbereich geschaffen werden, der sich aus Stacheldrahtabsperrungen, Gräben, einer massiven Mauer und etlichen weiteren Barrieren zusammensetzt. Was als Schutzwall gegen terroristische Übergriffe verstanden werden soll, zerstört weitläufige Bereiche der Natur, trennt palästinensische Bauern von ihren Olivenhainen und durchschneidet fast willkürlich israelische Dörfer oder Städte wie Jerusalem.

Nicht alle Interviewpartner wollen ihr Gesicht in diesem politisch brisanten Zusammenhang auf Zelluloid gebannt wissen und sind deswegen nur als Kommentatoren aus dem Off zu hören. Das ist natürlich insofern schade, daß sich daraus ein Bildmangel für Bittons Dokumentation ergibt. Minutenlange Kamerafahrten an der Grenzmauer entlang, die beim deutschen Betrachter ohnehin ungute Erinnerungen wecken, sind somit keine Seltenheit. Dadurch wird die Geduld des Zuschauers an einem an sich überaus wichtigen Thema unnötig auf die Probe gestellt. Zugunsten einer allzu plakativen Dramatik verharrt die Kamera ebenfalls zu lange auf der Anfangsszenerie, wenn Mauersegment um Mauersegment von Bauarbeitern an seinen Platz gebracht wird. Auch die Videokonferenz mit einem befreundeten Psychiater in den besetzten Gebieten gerät allzu besserwisserisch und platt. In solchen Momenten hätte die Regisseurin sich besser auf ihre Interviewpartner aus dem Volk verlassen und die absurden Szenen des Alltags für sich sprechen lassen, in denen Menschen wie selbstverständlich die Mauer überwinden, um ihren Jobs nachzugehen oder Einkäufe zu erledigen. 1970-01-01 01:00
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