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Marrakesch

Hideous Kinky. GB/F 1998. R: Gillies Macinnon. B: Billy Macinnon, Esther Freud. K: John de Borman. S: Pia Di Ciaula. D: Kate Winslet, Said Taghmaoui, Bella Riza, Carrie Mullan u.a.
98 Min. prokino ab 15.4.99
Von Mira Fliescher Seit Dawson's Creek ist klar, es gibt eine neue Form des Generationenkonflikts: Gegenüber ihren liberalen Eltern packen die Kinder die Moralvorstellungen ihrer Großeltern aus, ohne den Widersprüchen zwischen Moral und Leben zu entgehen, die bereits diese gespalten hat. Marrakesch verlegt diesen angeblich aktuellen Konflikt in die Zeit der Blumenkinder, wo er vielleicht wirklich stattfand – Esther Freud wurde zum Roman »Hideous Kinky«, der die Vorlage des Drehbuches ist, durch eine Marokko-Reise mit ihrer Mutter Anfang der 70er Jahre inspiriert.

Wenn die Kinder erwachsener sind als die Eltern, kann man das vielleicht nur »schrecklich verdreht« finden – so ist »hideous kinky« eine Lieblingsphrase von Bea und Lucy, die 1972 mit ihrer Mutter Julia (Kate Winslet) bargeldlos in Marrakesch festsitzen, weil Julia gerade auf der Suche nach sich selbst ist.

Ebenso erscheint die Faszination, die Marrakesch auf die Reisenden ausübt und die das Publikum mittels ausgedehnter, visueller Schilderung des Lokalkolorits nachvollziehen soll, ambivalent. Entweder wirkt diese Faszination nämlich reichlich antiquiert (wahrscheinlich unbeabsichtigt) oder sie wird mit britischem Humor sarkastisch bzw. kritisch konterkariert durch die anderen Hippies, die neben Julia auftauchen. Dies macht die Stärken (leider aber auch die Längen) des Films aus, der – durchaus aus einer sentimentalen Haltung zu Marrakesch und den frühen 70ern heraus – verschiedene Perspektiven gegeneinanderhält, ohne Partei zu ergreifen. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #14.
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