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Marabus

Adieu, plancher des vaches! F 1999. R,B,S,D: Otar Iosseliani. K: William Lubtchansky. S: Ewa Lenkiewicz. M: Nicholas Zourabichvili. P: Pierre Grise/Carac Film/Alia Film. D: Nico Tarielashvili, Lily Lavina u.a.
117 Min. Arsenal ab 19.10.00
Von Thomas Waitz Ein kleines Mädchen, versunken im Spiel. Die Playmobil-Eisenbahn, die unablässig im Kreis fährt. Schnitt. Marabus. Ein Zug im Bahnhof. Nicht nur die vielen Spielzeugeisenbahnen bewegen sich beständig im Kreis in Otar Iosselianis Film.

Um das Ausbrechen geht es, um eine unstillbare Sehnsucht nach dem anderen Leben, während das eigene verrinnt. Ein Ausbruch auf Zeit, der dann ironischerweise im Gefängnis endet. Alles passiert ganz beiläufig, und diese Beiläufigkeit, ein elegantes Dahingleiten ist es, was Marabus auszeichnet. Eine stille Traurigkeit durchzieht den sprachlich aufs äußerste reduzierten Film, die gebrochen wird durch leise Komik im Spiel seiner Figuren, die sich begegnen, deren Wege sich kunstvoll überkreuzen, deren Schicksale sich verschränken, um dann doch wieder auseinanderzufallen. Am Ende sind sie sich nie begegnet.

Traumwandlerisch sicher setzt Lubtchansky das Distanzierte in eine unaufdringliche und bewegliche Bildsprache um: Die vielen mittleren Einstellungsgrößen, die häufigen Blicke von der Seite, der Einsatz von Tele und Zoom. Da bleibt immer ein Abstand, der ja auch eine Weite ist. Und dann, plötzlich, hängt doch alles miteinander zusammen: Der ältliche Tierarzt, die Geschäfte eines grauen Mannes, die russische Familie, der Regen auf der Straße, die Vormittage im Wald, das schöne, unerreichbare Mädchen im Café, der Gedanke, daß ja auch alles noch ganz anders sein könnte. Ein Blick aus der Totale. Das, was wirklich bedeutsam ist: je näher wir ihm zu kommen meinen, desto weiter entfernt es sich von uns. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #20.
© 2012, Schnitt Online

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