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Mambo Italiano

CDN 2003. R,B: Émile Gaudreault. B: Steve Galluccio. K: Serge Ladouceur. S: Richard Comeau. M: FM Le Sieur. P: Cinémaginaire, Equinox. D: Luke Kirby, Paul Sorvino, Ginette Reno, Claudia Ferri u.a.
92 Min. Fox ab 24.6.04.

Unbeschwert witzig

Von Frank Brenner »Schlimmer als ein schwuler Italiener ist eigentlich nur…naja, eigentlich gibt es da nichts Schlimmeres!« Mit dieser Aussage und der dahintersteckenden Erkenntnis hat Angelo bei seinem Anruf bei der Gayline, einem schwul-lesbischen Beratungstelefon, zumindest auch einen Entschluß gefaßt: Er wird seinen Eltern, die vor dreißig Jahren aus der italienischen Provinz nach Kanada auswanderten, endlich reinen Wein einschenken. Daß das nicht so einfach ist, versteht sich von selbst, aber Angelos große Liebe Nino sieht mit dem Coming Out seines Freundes auch seine eigene, überaus respektierliche Fassade als musterbildlicher Polizist und Frauenschwarm gewaltig bröckeln. Wenn es da mal nicht doch noch Schlimmeres gibt…

Émile Gaudreault hat hier zusammen mit dem Dramatiker Steve Galluccio dessen erfolgreiches gleichnamiges Bühnenstück für die Leinwand adaptiert. Herausgekommen ist der schrillste, kurzweiligste und unterhaltsamste Film zum Thema seit Jamie Babbits Weil ich ein Mädchen bin. Die Figuren des Films sind absichtlich dermaßen überzeichnet, daß sich vortrefflich über sie lachen läßt. Sie passen auf exzellente Weise in die kunterbunte, nahezu keimfrei erscheinende Szenerie, die genauso realitätsfern erscheint wie das Setting einer billigen Fernsehserie, auf welche im Film auch mehrfach Bezug genommen wird, da Angelo versucht, als Soap-Autor sein Geld zu verdienen. Zusammen mit der geradezu ansteckenden Spielfreude der Darsteller (Altstar Paul Sorvino glänzt in der Rolle von Angelos typisch italienischem Papa) und einem rasanten Schnitt, bei dem der Zuschauer kaum zu Atem kommt, entsteht so eine wirklich witzige, unbeschwerte Komödie.

Häufig enden die Dialoge mit effektvollen One-Linern, die einem zum Dauerschmunzeln auch des öfteren einen herzhaften Lacher entlocken und auch auf gelungene Weise in der deutschen Synchronfassung erhalten blieben. Was sich freilich nach eineinhalb Stunden des Vergnügens auch zwischen den Zeilen bemerkbar macht, ist der trotz der Überzeichnungen nicht völlig von der Hand zu weisende Realitätsbezug der Geschichte. So stereotyp auch manche der Figuren erscheinen mögen, so nah dran an der Wirklichkeit sind auch einige von ihnen und den abgedrehten Situationen, die diese erleben.

Doch in erster Linie soll und wird der Film Spaß machen. Allein die Szene, in der sich die gesamte Familie Barberini im Beichtstuhl ihrer Kirche wiederfindet, hat das Zeug, als Klassiker der Situationskomik in die Filmgeschichte einzugehen. Es war ohnehin mal wieder an der Zeit, daß ein Schwulenfilm nicht in Trübsal ertrinkt und daß man sich köstlich amüsieren kann, ohne daß die Hauptdarsteller aufgedrehte Tunten sind. 1970-01-01 01:00
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