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Makellos

Flawless. USA 1999. R,B: Joel Schumacher. K: Declan Quinn. S: Mark Stevens. M: Bruce Roberts. P: Tribeca. D: Robert de Niro, Philip Seymour Hoffman, Barry Miller, Rory Cochrane u.a.
110 Min. Kinowelt ab 6.7.00
Von Carsten Tritt Joel Schumacher ist wie eine Schachtel Pralinen. Mit Michael Douglas dreht er einen großartigen Film, mit Clooney eine Gurke, schließlich mit Cage gepflegtes Mittelmaß. Jetzt also de Niro. Er spielt Walt, Opfer eines Schlaganfalls. Um sein Sprachvermögen zu verbessern, nimmt er Gesangsunterricht, ausgerechnet bei seiner Erzfeindin, der Tunte Rusty.

Daß die Ausgangslage – Spießer und Transvestit als Odd Couple – vielleich vor 20 Jahren mal originell war, weiß auch Schumacher. Er rettet den Film dadurch, daß er, quasi als Nebenprogramm, die Geschichte vom bösen Mr. Z auf der Suche nach geraubtem Geld erzählt. Und damit er etwas Besonderes bieten kann: Einen Robert de Niro, wie man ihn noch nicht gesehen hat. Wenn Walt durch den Schlaganfall paralysiert wird, muß auch de Niro auf fast alle darstellerischen Möglichkeiten verzichten: Den Körper darf er kaum bewegen, das Gesicht erstarrt durch unsichtbare Prothesen zur Maske, seine Aussprache ist kaum verständlich. Allein im Gesang oder in Augenbewegungen kann er sich noch ausdrücken, aber auch hier hält sich de Niro zurück, so daß die Geschichte nicht zur Farce verkommt. Ihm gegenüber steht eine Ansammlung von Darstellern, die sich in ihren Rollen auf das Herzlichste austoben, allen voran Hoffman als im falschen Körper gefangener Rusty und dessen Freunde, die Walt als »Mister My Left Foot« bezeichnen dürfen.

De Niro geht nicht unter, und das ist Ergebnis beeindruckender schauspielerischer Fähigkeiten sowie Schumachers Geschick, der ihn gekonnt durch den Film manövriert. Das beweist, daß man bei Schumacher nie vorher wissen kann, was man bekommt. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #19.
© 2012, Schnitt Online

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