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Die Männer ihrer Majestät

All the Queen's Men. D/A/H/USA 2001. R: Stefan Ruzowitzky. B: David Schneider. K: Wedigo von Schultzendorff. S: Nick Moore. M: Jörn-Uwe Fahrenkrog-Petersen. P: Atlantic Streamline. D: Matt LeBlanc, Eddie Izzard, Nicolette Krebitz, Edward Fox, Oliver Korittke, Udo Kier, James Cosmo, Karl Markovics u.a.
105 Min. Constantin Film ab 13.12.01

Sonntagspersiflage

Von Norbert Parzinger Man müßte, dachte ich mir unlängst, in einer Fernsehzeitung über einen einzigen Film die Zeile »Detektivfilm/Psychothriller/Melodram/Komödie« lesend, mal denjenigen übers Knie legen, der auf die Idee gekommen ist, Genres nach Plotgegebenheiten zu sortieren. Ist es nicht eigentlich zweitrangig (und ziemlich schwierig auseinanderzudröseln), was für eine Geschichte erzählt wird? Unterscheiden sich Filme nicht eher danach, wer die Geschichte erzählt, wie er das tut, und für wen? Zeit für neue Genres! Den Videoclipfilm zum Beispiel; den Woody-Allen-Film natürlich, den Farbfilterfilm vielleicht – oder den Sonntagnachmittagsfilm: Erbauliches, Weltbildzementierendes, Hahawitziges für die ganze Familie, von Heinz Erhard bis Roger-Moore-Bond, von Lassie bis zu den vielen Dalmatinern.

Damit wäre das Genre der Männer ihrer Majestät auch schon benannt, jedenfalls besser als mit »Spionagethriller/ Actionfilm/Kriegsfilmsatire/Geschlechterkomödie/ Kinderfilm«. Es ist 1944; wer den Krieg gewinnen wird, steht noch nicht fest, England braucht irgendwas entscheidendes. Der routinierte Kriegsfilmkinogänger (U 571 und Konsorten) weiß sofort: den Enigma-Code! Genau. Dafür muß ein Held her – doch halt, dies ist eine Satire, also besser ein Versager (Matt LeBlanc fühlt sich trotzdem in seiner Rolle nur wohl, wenn er herumrennen und Leute verhauen darf). Chiffriermaschinen holt man sich wohl am besten fabrikneu, deshalb soll der Held in die Berliner Enigma-Fabrik eindringen. Dort arbeiten aber nur Frauen, d.h. ein Mann würde ziemlich auffallen, d.h. der Held muß sich verkleiden. Damit das funktioniert, kriegt er technische Beratung von einer routinierten Drag Queen (Eddie Izzard, selbsternannte »Lesbe in einem Männerkörper«, der hier entsprechend seinen Spaß hat), und Verstärkung von ein paar anderen Versagern, ebenfalls verkleidet. Das wird lustig!

Oder eher nostalgisch. Längst totgeglaubte Chargen wie der Debile Wehrmachtstölpel oder der Zerstreute Wissenschaftler erstehen zu neuem Leben, man hört Sprüche wie »Finger weg von meinen Kurven, sonst gibt's ne Gerade!«, und selbst dieses synthetische Klatschgeräusch aus den Bud-Spencer-Terence-Hill-Kloppereien ist wieder da. Die Männer ihrer Majestät möchte den original englischen Weltkriegsklamauk à la Goons persiflieren; der Materialaufwand ist nicht unbedeutend, die Special Effects stimmen, die Besetzung (bis auf den Hauptdarsteller, und einen müde grimassierenden Edward Fox) paßt – Nicolette Krebitz schafft sogar noch das Kunststück, ein Stückchen Mehrdimensionalität hineinzuspielen.

Nur erlaubt sich die spaß- und spannungsarme Story so viele Aussetzer und Einfallslosigkeiten, daß letzten Endes nicht mehr dabei herauskommt als ein milde selbstironischer Abklatsch der Vorbilder, garniert mit einem Spritzer Political Correctness und diversesten Anleihen aus allem möglichen vom Cage aux Folles bis zum Spätitalowestern. Schade um das kleine Wortspiel des Originaltitels, aber der deutsche Titel bringt diesen Genrespaziergang eigentlich noch besser auf den Punkt, Ignoranz hin oder her.

Man warte also getrost auf einen Sonntagnachmittag in, sagen wir, zwei Jahren, wenn man nach Kaffee und Kuchen befriedigt aufgestoßen hat und im Kreise seiner Lieben gemütlich anderthalb Stunden totschlagen möchte. Kein Anlaß, gleich ins Kino zu rennen; die TV-Premiere von Die Männer ihrer Majestät kommt noch schnell genug. 1970-01-01 01:00
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