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Mädchen, Mädchen

D 2001. R: Dennis Gansel. B: Maggie Peren, Christian Zübert. K: Axel Sand. S: Anne Christine Loewer. M: Tobias Neumann, Martin Probst. P: Olga Film. D: Diana Amft, Felicitas Woll, Karoline Herfurth, Arzu Bazman, Florian Lukas u.a.
Constantin ab 29.3.01
Von Thomas Waitz »Liebe wird oft überbewertet / Liebe ist nicht so wichtig wie man denkt / Liebe ist nur ein Teilaspekt des Lebens / und die anderen Teile sind auch nicht schlecht«, dichteten einst die Lassie Singers. Wenn es nur so einfach wäre!

Für die drei Mädchen, die Dennis Gansel in seinem Film beobachtet, ist es das natürlich nicht. Mitten in der Pubertät, haben sie bereits erste sexuelle Erfahrungen gemacht – und stehen vor der Frage, ob »das« denn nun alles gewesen sein soll. Auf individuell verschiedene Weise (manchmal wirkt das sehr konstruiert, wie Role Models) begeben sich die drei also auf die Suche nach dem ersten, wirklichen, richtigen, »echten« Orgasmus, der alles anders macht, und nach dem das Leben nie wieder ist, wie es zuvor war.

Irrungen, Wirrungen, Pennälerspäße – die altbekannte Trias will auch hier bedient werden. Und obwohl Mädchen, Mädchen über weite Strecken eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Problemen des Erwachsenwerdens ist (in dem Sinne, daß der Film seine Protagonisten ernst nimmt), entscheidet sich Gansel im Zweifelsfall dann doch für die Komödie und damit für eine reichliche Verflachung der Konflikte.

Man mag das bedauern (oder nicht), aber es kommt erschwerend hinzu, daß es Mädchen, Mädchen für eine Komödie insgesamt einfach an Tempo und gutem Timing mangelt – in erster Linie eine Frage des Schnitts. Da werden einfach zu viele gute Situationen verschenkt, läuft der Bildwitz zu oft ins Leere, bleibt bisweilen nur peinlicher Klamauk.

Gänzlich unglaubwürdig ist die Charakterisierung der Erwachsenen: So viel Toleranz, wie die Eltern hier ihren Sprößlingen entgegenbringen, dürfte kaum der häuslichen Realität entsprechen. Und wir lernen: a) Jungs erobern noch immer die Herzen von Mädchen, indem sie ihnen ein Lied widmen, und zwar auf der großen, leeren Bühne, vor allen anderen Anwesenden, die still zuhören und anschließend jubeln. b) Lebenskrisen und Regenwetter treten gemeinsam auf. Und c) homophile Neigungen gehen zum Glück schnell wieder vorbei.

Trotz dieser und zahlreicher weiterer Klischees wird Mädchen, Mädchen von einer unklemmigen, ehrlichen Stimmung getragen. Und weil das ziemlich selten ist, bleibt der Film dann doch in guter Erinnerung. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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