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Lucky Numbers

USA/F 2000. R: Nora Ephron. B: Adam Resnick. K: John Lindley. S: Barry Malkin. M: George Fenton. P: DreamWorks SKG, Mad Chance, StudioCanal. D: John Travolta, Lisa Kudrow, Tim Roth, Ed O'Neill, Michael Rapaport, Daryl Mitchell, Michael Moore, Bill Pullman, Richard Schiff u.a.
105 Min. Tobis ab 17.5.01

Witzlose Action

Von Carsten Tritt John Travolta hat in den gesamten 80er Jahren keinen guten Film gemacht, und wenn er nun im Jahre 2000 einen Film dreht, der in den 80ern spielt, so mag man Lucky Numbers insoweit gelungen nennen, als daß er dem Niveau seiner damaligen Arbeiten mühelos entspricht. Viel Mühe hat sich das – bis auf eine Ausnahme – lustlose und offensichtlich mit Valium abgefüllte Ensemble bei dieser unwitzigen Komödie nämlich nicht gegeben.

Wesentlich interessanter als der eigentliche Film ist daher das neue Tobis-Logo vor dem Vorspann.

Bekanntlich wurde vor einiger Zeit die damalige »Tobis Filmkunst« von StudioCanal übernommen und heißt nun folgerichtig: »Tobis StudioCanal«. Man mag unseren französischen Freunden dieses Schnäppchen durchaus gönnen, für die deutsche Filmkultur hatte es aber einen katastrophalen Nebeneffekt: Der Hahn ist tot. Der legendäre Hahn, der es schaffte, den wunderbaren Filmen im Tobis-Verleih mit Bud Spencer oder Belmondo noch das i-Tüpfelchen aufzusetzen, und der bis in die späten 90er hinein durch sein bloßes Auftreten für manchen ihm nachfolgenden Alan Smithee-Film zu entschädigen wußte. Wenn vor weißem Hintergrund der Schriftzug »TOB S« aufleuchtete, und dann zu einer Fanfare der laut krächzende Hahn erschien, um sich über den Schriftzug zu stellen und den noch fehlenden Letter anal auszuscheiden, war der Tag eigentlich schon gerettet.

Dann aber kam die Übernahme durch StudioCanal. Der Name Tobis wurde im Prinzip zwar beibehalten – zum Glück, denn »StudioCanal« hört sich ja eher nach einem Arthouse-Kanal auf Premiere World denn nach einem Filmdistributeur an. Aber die leichte Namensänderung gab es doch, und so wurde ein neues, absolut hahn- und zahnloses »Tobis StudioCanal«-Logo eingeführt, ironischerweise mit Chicken Run als ersten größeren Film. Der freundliche, weiße Hintergrund ist nun durch ein feiges Schwarz ersetzt. Die im Dunkeln sieht man nicht. Sonst passierte nichts auf der Leinwand, quasi wurde nur ein Dia gezeigt. Gähn! Aber jetzt soll wieder die Action kommen. Soll. Wild herumwirbelnde Zahlen und trashiges Soundgedöns kündigen diesen Tobis-Film an. Mit einem seelenlosen, austauschbaren Design. Sicher, der Hahn war tricktechnisch nicht mehr auf dem neuesten Stand, und es mag auch sein, daß die alte Bläser-Fanfare die eine oder andere THX-Sound-Anlage zerfetzt hat. Trotzdem: Das war Witz, das war Frechheit. Der MGM-Löwe war nichts dagegen. Vive le coq!

(Mit der anfangs erwähnten Ausnahme ist übrigens Bill Pullman gemeint, der richtig gut ist, aber leider nur eine Mini-Rolle hat.) 1970-01-01 01:00
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