— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Love the Hard Way

D 2001. R,B: Peter Sehr. B: Marie Noëlle-Barre. K: Guy Dufaux. S: Christian Nauheimer. M: Darien Dahoud. P: ViF, P'Artisan u.a. D: Charlotte Ayanna, Adrien Brody, Jon Seda, August Diehl, Pam Grier u.a.
96 Min. Ottfilm ab 27.3.03

Schlangenlederjacke

Von Oliver Baumgarten Adrien Brody spielt den Kleinganoven Jack, der sich mit Claire einen hübschen Backfisch anlacht und sie nicht wieder los wird, weil sie sich in ihn verliebt. Das paßt Jack zunächst gar nicht, denn irgendwie stört die Kleine bei den schmierigen Abzockeraktionen, die er mit seinen Kumpels in Hotelzimmern abzieht. Und so zieht er die unschuldige Studentin in einen schäbigen Strudel von Obsessionen: »I'll ignore your cheap aroma – And your little-bo-peep diploma – I'll just put you in a coma – With some dirty love«, um es mal komplett unernst mit Frank Zappa zu sagen, dessen Hemmungslosigkeit im Ausdruck nie Fragen offen ließ. Da ist Peter Sehr ja ganz anders.

Eine bezeichnende Ambition des Buches, daß sich beide Figuren in einem Kino kennenlernen, weil sich mit »Kino« und »Film« ja so schön assoziieren läßt: Jack ist ein cooler Nichtsnutz mit so einer Schlangenlederjacke wie sie Nicolas Cage als Sailor Ripley in Wild at Heart trägt. Auch Sailor Ripley zieht sein amouröses Anhängsel in ein Leben voller Gewalt und Verbrechen. Und Lulu, so heißt das Anhängsel bei Lynch, erduldet es – aus Liebe. Bei Peter Sehr geht es allerdings wesentlich gemächlicher zu, Jack ist eher blöd als wirklich böse, und der Film in seiner Gänze zeichnet sich nicht annähernd durch Lynchs Konsequenz aus, denn eine moralinsaure Dunstglocke hängt über dem Konstrukt und vergrätzt alle rührenden oder ehrlichen Ansätze im Keim. Die sehr einfache und geradlinige Erzählung hat Editor Christian Nauheimer in der Postproduktion offensichtlich noch aufpäppeln wollen und schnitt in drei, vier emotional bedeutende Sequenzen mehrere kurze, aus der Chronologie fallende Inserts mit passender Tonspur hinein. Das ist zwar technisch durchaus gelungen, erspart dem Film letztlich aber nicht den finalen Eindruck dramaturgischer Gewöhnlichkeit.

Die an den amerikanischen Independentfilm angelehnte Atmosphäre kann sich nicht durchgehend halten, wohl auch, weil sich ständig die Frage aufdrängt, was denn bitte Claire motivieren mag, für Jack, diesen armen Tropf, all diese Dinge zu tun? Klar, die Liebe geht manchesmal »Hard Ways«. Das wiederum ist uns aber in der Filmgeschichte durch ein Œuvre in etwa dreistelliger Höhe bereits schlüssiger dargestellt worden. Oder von Frank Zappa. Aber da ist Peter Sehr ja ganz anders. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #29.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap